Foto: Martin Müller

Frankfurt/Main: Isabelle Schad «Solo für Lea»

Tanz - Logo

Lea ist Lea Moro. Ihr Nachname fehlt dem Titel, ebenso wie ihr Gesicht dem Stück fehlt. Sie zeigt es nicht. Sie ist ein Körper ohne Stirn. Das zu tanzen ist allein ein Kunststück: knapp eine Stunde sich so zu bewegen, dass niemand sieht, wer da tanzt. Sie meidet den Blick, damit wir besser gucken, wie sie ihre Arme über ihre sich hebenden Schultern legt, die sich ruckartig verdrehen, während sie ihre Hände wie zu einer Bohrspitze faltet. Der Sound dazu von Damir Šimunović macht glauben, dass ihre Gelenke knacken.

Zart modellierend fährt das Licht von Bruno Pocheron ihren immer nackter werdenden Körper entlang. Es betont das kräftige Fleisch ihrer Waden. Es rutscht das schwarze T-Shirt. Die Grübchen an ihrem entblößten Rücken werden als tiefe Schatten sichtbar. Die schwarze Hose schwindet. Die Zuschauenden betrachten einen schönen, prallen Hintern wie ein Gesicht.

Sie sitzt rücklings zu uns. Sie spreizt die Arme, und man schaut sogleich in die amorphe Lücke, die sich zwischen Armen und Rumpf auftut. Man betrachtet das Negativ, die Form des Raums, die sich ergibt, sobald man zwischen Arm und Rumpf ins Schwarze schaut. Sie legt die Arme an. Nun sieht sie aus wie ein Brathähnchen, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Oktober 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 34
von Arnd Wesemann

Weitere Beiträge
Plaisirs inconnus

Wenn Sie, ja Sie, Tanz anschauen – wonach richten Sie sich? Warum gehen Sie in das Stück von X und nicht in das Stück von Y? Was wäre, wenn Ihnen mal niemand verraten würde, wer die Hersteller sind? Würden Sie dann trotzdem eine Karte kaufen? Wir wissen zwar nicht, wie groß der Teil des Publikums ist, der sich bei der Entscheidung zum Ticketkauf vor allem vom Namen...

Kirill Serebrennikov

Kirill Serebrennikov ist ein Vorzeige-Regisseur der Perestroika-Ära, die mit Michail Gorbatschow noch zu Sowjetzeiten begann, aber längst Geschichte ist. Geht es nach dem Willen seiner Gegner, könnte das bald auch für die Karriere des in Bedrängnis geratenen Künstlers gelten, der zur Jahrtausendwende wie eine Supernova am Regiehimmel auftauchte. Die ersten...

Echte Fälschungen

Man hat im Kino ja nun viel Tanz in 3D gesehen, von Wim Wenders‘ «Pina» bis hin, zuletzt, zu «Valerian» von Luc Besson mit der Pop-Ikone Rihanna als Geisha, Kurtisane und Krankenschwester, deren großartig getanzte, körperlich so konkrete Verwandlung in immer andere Figuren keinen Moment länger dauert als das Lesen dieses Satzes. Da kommt der britische Pionier des...