Foto: Tristram Kenton
Paris: Boris Charmatz «10 000 Gesten»
Die «Weltpremiere» dieses Tanzwerks fand im September statt, zur Eröffnung der Berliner Volksbühne auf dem Tempelhofer Feld. Die «Uraufführung» erfolgte deutlich früher, Mitte Juli, bei dem auf Großproduktionen spezialisierten «Manchester International Festival» in einer ehemaligen Industriehalle. In Englands Norden hatte der neue Tanzbereichsleiter der Volksbühne proben können, hierhin hat ihn auch die Ensemble-Debatte verfolgt.
Während Frank Castorf, wie gern beschrieben, die Volksbühne für einen Ensemblebetrieb hält (1992 hatte er dem dortigen Ensemble samt und sonders gekündigt), würde Chris Dercon als neuer Hausherr dem Modell Stadttheater wohl ganz den Garaus machen. Boris Charmatz stellt die Frage: Was überhaupt ist ein Ensemble? Die alte Theatermanufaktur mit fest angestellten Künstlern scheint ihm ein Auslaufmodell zu sein. Der Begriff von Theater und der Begriff der Arbeit, beides ändert sich.
Charmatz zeigt transparent nur, was auch auf der Packung steht: 10 000 Gesten, Tanzschritte also, von denen, so rechnet der französische Tanzintellektuelle vor, jeder Tänzer pro Stunde 400 Gesten produzieren müsse, ohne sich dabei zu wiederholen. Der Output von 10 000 ...
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Tanz Oktober 2017
Rubrik: Kalender und Kritik, Seite 44
von Arnd Wesemann
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