Fracksausen

Die einen wittern Verschwörung, die anderen versacken vor dem Bildschirm. Risiken und Nebenwirkungen, Verluste und Gewinne der Anti-Corona-Politik beleuchtet Christoph Türcke

Angst ist ein schlechter Ratgeber, heißt es. Tatsächlich kann sie besonnenes Nachdenken, Abwägen, Urteilen verhindern. Doch vergessen wir nicht, dass Angst der erste Ratgeber der Menschheit war. Mehr noch: Sie ist die Elementarform von Gedächtnis. Etwas als Gefahr wahrnehmen heißt: Es erinnert an schon Erlebtes. «So etwas soll mir nicht noch einmal passieren», sagt die Angst. Als gedächtnisgestützter Gefahrenvermeidungsmechanismus hat sie begonnen. Vernunft ist kaum mehr als in Umsicht und Urteilskraft übersetzte Angst.

 

Vor Covid-19 Angst zu haben, ist völlig vernünftig. Das Virus erinnert an sämtliche Epidemien, die es schon gab: von der Pest bis zur Influenza von letztem Jahr. Es macht bewusst, was wir allzu gern verdrängen: dass die uralte Seuchenanfälligkeit immer noch nicht überwunden ist – aller Hochtechnologie zum Trotz. Corona-Viren gibt es schon lange. Aber Covid-19 ist anders als die anderen: hoch infektiös, für etliche Prozent der Infizierten tödlich und in seinen Eigenschaften noch viel zu wenig bekannt. Gefahren, die keine fassbare Gestalt annehmen, sind besonders angsterregend. Daran ist nichts Irrationales.

 

Berechtigten Anlass zur Angst geben auch die ...

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Tanz Juli 2020
Rubrik: Corona-Krise, Seite 10
von Christoph Türcke

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