Pforzheim online: Guido Markowitz «Being human»
Zunächst sieht es aus wie alle YouTube-Videos der Tänzer während der Corona-Krise. Das Auge bleibt an den Postkarten an der Wand hängen, am Muster des Laminatbodens. So intensiv sich die Tänzer auch für ihren einzigen Zuschauer, die Kamera, bewegen, die Enge ihrer Wohnung begrenzt doch irgendwann den Bewegungsradius, und das Sehnen nach der Weite der Bühne liegt in jedem Ausholen. Bis man dann plötzlich ihre ernsten, wachen Gesichter in Großaufnahme sieht, denen man im Theater niemals so nahe kommen würde.
Im Januar hatte «Die vier Jahreszeiten» von Guido Markowitz im Pforzheimer Theater Premiere und lief nur ein paar Aufführungen lang. Gemeinsam mit dem Kölner Regisseur Michael Maurissens erarbeiteten der Tanzdirektor und seine 14 Interpreten unter dem Titel «Being Human» dann ein digitales Reenactment des Stücks, kaum halb so lang wie die 75-minütige Bühnenversion. Auch die Namen der Jahreszeiten wurden durch arg allgemeine Floskeln wie «Verwandeln» oder «Leben fühlen» ersetzt. Getanzt wurde in Marco Falcionis Kostümen zunächst bei jedem Einzelnen zu Hause und dann zunehmend draußen – auf Terrassen und in Gärten, in einem leeren Swimmingpool, auf einem Flachdach oder der ...
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Tanz Juli 2020
Rubrik: Kritik, Seite 35
von Angela Reinhardt
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