Der Lehrer: Frédéric Tavernini
Frédéric Tavernini, ein Tänzer betritt die nackte Bühne, ein Körper aus Fleisch und Blut trifft auf Beton und Plastikboden. Was passiert? Ein Schock, würde ich sagen, weil der Theaterraum dir als Tänzer befiehlt, eine Projektionsfläche zu sein, damit du das Publikum durch deinen Körper soghaft in eine andere Welt entführst. Du sollst ein Emotionsfahrzeug sein, statt einfach nur betrachtet zu werden.
Sie wurden an der Ballettschule der Pariser Oper ausgebildet – ist das die Konditionierung, die Sie dort erfahren haben?
Ich antworte mit einer Gegenfrage: Nämlich was passiert, wenn ich umgekehrt das Publikum betrachte? Wenn ich nicht die Zuschauer, sondern mich selbst überrasche, indem ich mich selber aufgebe?
Der Workshop, den Sie bei der «Tanzwerkstatt Europa» in München geben, heißt «Re-appropriate your body», also sich den eigenen Körper neu aneignen. Das ist doch das Gegenteil von Aufgeben.
Nein, ich lass mich los, vergesse all die Informationen, die in meinem gut erzogenen Körper eingelagert sind, um mich zu überraschen, um Neues zu finden. Wie tanze ich, wenn ich vom Theater nicht zu einer bestimmten Art des Tanzens gezwungen werde, wie tanze ich unter einer Brücke im ...
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Tanz Juli 2020
Rubrik: Praxis, Seite 56
von Arnd Wesemann
Zum ersten Mal nach dem Lockdown hebt sich für tanzmainz am Staatstheater Mainz wieder der Vorhang – dank «Extra Time» von Pierre Rigal. Neun Tänzer und Tänzerinnen machen erlebbar, wie Corona das Bewegungsgeschehen und die Ordnung der Körper im Raum verändert hat.
Der Gastchoreograf Pierre Rigal, ursprünglich mit einer anderen Produktion betraut, switchte...
Nein, das ist nicht bloß ein weiterer, schon gar kein überflüssiger Ratgeber, den eine 78-Jährige verfasst hat, um uns Jüngeren zu erklären, wie sie es schafft, auch im hohen Alter noch aktiv zu sein, attraktiv, gelenkig und vital. Die Frage freilich hat sie oft gehört: «How do you keep working?». Und auch das subtil mitschwingende: «at your age ...» Nein: Twyla...
Ende März wurde das Bayerische Staatsballett komplett dicht gemacht – keiner durfte mehr rein, keiner durfte mehr raus. Sicherlich war der Lockdown für alle Menschen eine Belastungsprobe – für uns aber war er extrem schwierig. Wir mussten uns, ohne die Hilfe unseres gewohnten Equipments und der notwendigen Räumlichkeiten, nicht nur körperlich fit halten, sondern...
