Der Lehrer: Frédéric Tavernini

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Frédéric Tavernini, ein Tänzer betritt die nackte Bühne, ein Körper aus Fleisch und Blut trifft auf Beton und Plastikboden. Was passiert? Ein Schock, würde ich sagen, weil der Theaterraum dir als Tänzer befiehlt, eine Projektionsfläche zu sein, damit du das Publikum durch deinen Körper soghaft in eine andere Welt entführst. Du sollst ein Emotionsfahrzeug sein, statt einfach nur betrachtet zu werden.

 

Sie wurden an der Ballettschule der Pariser Oper ausgebildet – ist das die Konditionierung, die Sie dort erfahren haben?

Ich antworte mit einer Gegenfrage: Nämlich was passiert, wenn ich umgekehrt das Publikum betrachte? Wenn ich nicht die Zuschauer, sondern mich selbst überrasche, indem ich mich selber aufgebe?

 

Der Workshop, den Sie bei der «Tanzwerkstatt Europa» in München geben, heißt «Re-appropriate your body», also sich den eigenen Körper neu aneignen. Das ist doch das Gegenteil von Aufgeben.

Nein, ich lass mich los, vergesse all die Informationen, die in meinem gut erzogenen Körper eingelagert sind, um mich zu überraschen, um Neues zu finden. Wie tanze ich, wenn ich vom Theater nicht zu einer bestimmten Art des Tanzens gezwungen werde, wie tanze ich unter einer Brücke im ...

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Tanz Juli 2020
Rubrik: Praxis, Seite 56
von Arnd Wesemann

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