Flugangst?
Li Wei
der 1970 geborene und in Beijing lebende Künstler, hat riesigen Erfolg auf dem internationalen Kunstmarkt. Ähnlich wurde nach dem Fall der Mauer auch die Neue Leipziger Schule berühmt. Man kaufte und sammelte die einfache Lesbarkeit des bis dato Fremden, die Rückkehr des «Realismus», das Unverrätselte der Kunst. Die DDR, Schlupfwinkel der Andeutung, schien so verstehbar zu werden, wie nun auch China kein Blatt mehr vor den Mund nehmen würde. Die Antwort auf Glasnost sei: resolute Klarheit.
Das Ende des Doppeldeutigen
So deutlich wirken die Fotos von Li Wei.
Der kleine, drahtige Mann erinnert an Stuntmen der Hongkong-Filme und ihre Kampfkunst-Choreografien. Der virtuose Asiat als Überwinder der Schwerkraft. Ähnliches zeigen auch die akrobatischen Tanzshows aus China, die gerade durch Europa touren wie «Shen Yun – Chinese Spectacular» oder «Swan Lake» als Zirkusnummer. Die bildende Kunst widerspricht ihnen nicht. Virtuosität ist in einer Ideologie der restlosen Kontrolle immer ein Notausgang.
Die Wiederkehr des Doppeldeutigen
Wie ein Geschoss steckt Li Wei im Eis. Seine Körperhaltung ist perfekt. Wo unsereiner den Kopf in den Sand steckt, als Feigling, sehen Chinesen jedoch das ...
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Simone Aughterlony beim ersten Mal. Sie sitzt da, mit reglosen Riesenaugen, die ans Tierheim erinnern. An Vegetarierkampagnen – nichts essen, was Augen hat. Eine Tänzerin auf offener Bühne ist «Public Property», öffentliches Eigentum. Also «No littering!», nicht verschmutzen, nicht drauftreten, keinen Müll abladen, sagt sie. 2004 lesen wir das als Anweisung für...
Jirí Kylián, Michael Schumacher “Last Touch First”
I stood listening to the applause feeling vexed; so much so I wanted to call out: “Silence!” The work we had just beheld warranted quiet awe; audience and performer joined in mute reverence. The performers had conjured bare-skinned psychodramas filled with lust, contempt, despair, and pathos. The audience...
Wer je in China war, kennt das Gefühl. Schon nach dem Weg zu fragen, bereitet Unkundigen große Schwierigkeiten. Lesen geht nicht, Gesten können in völlig falsche Richtungen weisen. «Ich bin nicht von hier», versucht Eulalia Ayguade Farro zu sagen. «Ich komme von weit weg.» Aber woher? Meng Ning Ning vom National Ballet of China will es wissen, aber die Spanierin,...
