Flüchtig
Rein naturwissenschaftlich betrachtet, stellt Nebel ein Aerosol dar: Wassergesättigte Luft erreicht den Taupunkt, beispielsweise an einem sonnigen Wintertag in der Nähe von Flüssen oder Seen. Tagsüber heizt die Sonne das Wasser auf und sorgt für Verdunstung, bis sich die Luft abends stark abkühlt, weswegen das Wasser wieder in winzigen Tröpfchen kondensiert und als Nebel sichtbar wird.
Aus künstlerischer Perspektive handelt es sich hier um ein performatives Phänomen: Nebel existiert nur im Augenblick, ist flüchtig, meist schon nach wenigen Minuten verschwunden und nur schwer räumlich eingrenzbar. Wie Theater, wie Tanz.
In der Darstellenden Kunst nutzt man Nebel als Ausstattungselement. «Wenn die Regie nicht weiter weiß / Greift sie gern zum Trockeneis» ist ein milder Lästerspruch aus der Theaterkantine, der jenseits seines abgeschmackten Charakters einen wahren Kern enthält: Künstlich erzeugter Nebel ist gerade in seiner Flüchtigkeit ein überaus effektvolles Bühnenmittel.
Grundlegende Erkenntnisse bei der künstlichen Nebelherstellung verdankt man dem japanischen Experimentalphysiker Nakaya Ukichirō (1900 – 1962), der unter anderem auch die Möglichkeit entdeckte, artifizielle ...
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Tanz Mai 2022
Rubrik: Bewegung, Seite 16
von Falk Schreiber
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