HULOT, JULLY, CUNNINGHAM «VERKLÄRTE NACHT»

Oldenburg

Ein Triple Bill ist nicht zuletzt die Gelegenheit, unterschiedliche choreografische Sprachen an einem Abend kennenzulernen. Der Oldenburger Ballettdirektor Antoine Jully (tanz 2/21) führt diesen Gedanken noch weiter: Nicht nur drei verschiedene Choreografen beliefern «Verklärte Nacht», der Abend ist mit Neoklassik, Ballett und (Post-)Moderne auch ein angedeuteter Querschnitt durch verschiedene Disziplinen der Tanzkunst.

Wobei Jully selbst mit dem neoklassischen Titelstück das Zentrum bildet, Guillaume Hulots «OGAMI» und die Rekonstruktion von Merce Cunninghams «How to pass, kick, fall and run» stellen die Rahmung dar. Allerdings eine Rahmung, die durchaus ihren Charme hat.

Hulots «OGAMI» ist wahrscheinlich der konventionellste Teil des Abends. Sieben Tänzer*innen durchlaufen abstrakte Bewegungsfolgen, angelehnt an den biologischen Begriff der «Imago», der das Stadium eines Insekts nach der letzten Metamorphose beschreibt: den Schmetterling, der sich aus der Puppe entwickelt hat etwa. Meist sind das Bilder der Befreiung, weit ausholende Bewegungen, schnelle, synchrone Figuren, also eine choreografische Überwältigungsästhetik, die ihre nur teilweise vorhandene Originalität durch ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Mai 2022
Rubrik: Kalender, Seite 44
von Falk Schreiber

Weitere Beiträge
M. MORAU «FOREST FIRES»

Nackt und grau präsentiert sich die Bühne im Schauspielhaus Basel. An der hinteren Betonwand liegen die Tänzer*innen des Ballett Basel wie gestapelte Ware in Nischen. Vorne an der Rampe erzählt eine Tänzerin unter tiefhängenden Scheinwerfern ein Märchen. Von einem Baum als Symbol einer großen Liebe, die mit dem Tod endet. In «Forest Fires» – Marcos Moraus Beitrag...

MORTELLITI, SCHOLZ, CHRISTE «STRAW!NSKY»

Kommt auch nicht alle Tage vor, dass das Ballett des Staatstheaters Cottbus auf Gastspiel geht. Anfang April zeigte die Truppe im Potsdamer Hans Otto Theater ihre dreiteilige Strawinsky-Hommage, wobei das Programm wohl aus Attraktionsgründen «Straw!nsky» betitelt ist. Allerdings dient der Einstieg mit der Uraufführung von Adriana Mortellitis «Petruschka»-Version...

Flüchtig

Rein naturwissenschaftlich betrachtet, stellt Nebel ein Aerosol dar: Wassergesättigte Luft erreicht den Taupunkt, beispielsweise an einem sonnigen Wintertag in der Nähe von Flüssen oder Seen. Tagsüber heizt die Sonne das Wasser auf und sorgt für Verdunstung, bis sich die Luft abends stark abkühlt, weswegen das Wasser wieder in winzigen Tröpfchen kondensiert und als...