Faust ll
Am 8. Juni wieder in Dortmund.
Was für eine Unternehmung! «Faust II», der in der Theaterwelt schon als unspielbar gilt und für dessen Inszenierung Regisseure regelmäßig Prügel beziehen – ausgerechnet «Faust II» also als Ballett? Eine verrückte Idee. Verrückter noch, als Tolstois «Krieg und Frieden» oder Thomas Manns «Zauberberg» auf die Tanzbühne zu schubsen. Beides hat Dortmunds Ballettdirektor Xin Peng Wang natürlich längst schon getan.
Man muss wohl aus dem fernen Asien kommen und keine Schul-Impfung durch die Klassiker erlitten haben, um solch furchtlose Begeisterung für die Weltliteratur zu entwickeln.
Aber während es bei den Romanen einen Plot gab, den Wang und sein Dramaturg Christian Baier handlungsballett-gerecht aufbereiten konnten, stolpert man nun doch ziemlich verwirrt hinterher beim Faust‘schen Trip durch Raum und Zeit: von der Goethe-Gegenwart zurück in die hellenistische Antike, ins Mittelalter und dann ins Science-Fiction-Labor künstlicher Menschenzüchtung. Statt eines Bühnenbildners hat Wang den chinesischen Lichtkünstler Li Hui engagiert – eine wirklich brillante Idee für Goethes abgedrehtes Gaukelspiel, das entweder ständige Umbauten oder eben, wie bei Wang/Hui, die geniale Abstraktion ...
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Tanz April 2017
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Nicole Strecker
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