Faust ll
Am 8. Juni wieder in Dortmund.
Was für eine Unternehmung! «Faust II», der in der Theaterwelt schon als unspielbar gilt und für dessen Inszenierung Regisseure regelmäßig Prügel beziehen – ausgerechnet «Faust II» also als Ballett? Eine verrückte Idee. Verrückter noch, als Tolstois «Krieg und Frieden» oder Thomas Manns «Zauberberg» auf die Tanzbühne zu schubsen. Beides hat Dortmunds Ballettdirektor Xin Peng Wang natürlich längst schon getan.
Man muss wohl aus dem fernen Asien kommen und keine Schul-Impfung durch die Klassiker erlitten haben, um solch furchtlose Begeisterung für die Weltliteratur zu entwickeln.
Aber während es bei den Romanen einen Plot gab, den Wang und sein Dramaturg Christian Baier handlungsballett-gerecht aufbereiten konnten, stolpert man nun doch ziemlich verwirrt hinterher beim Faust‘schen Trip durch Raum und Zeit: von der Goethe-Gegenwart zurück in die hellenistische Antike, ins Mittelalter und dann ins Science-Fiction-Labor künstlicher Menschenzüchtung. Statt eines Bühnenbildners hat Wang den chinesischen Lichtkünstler Li Hui engagiert – eine wirklich brillante Idee für Goethes abgedrehtes Gaukelspiel, das entweder ständige Umbauten oder eben, wie bei Wang/Hui, die geniale Abstraktion ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz April 2017
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Nicole Strecker
Man hat seinen Sitzplatz noch nicht gefunden im Theater, da riecht es schon nach Provokation: beißender Tabakgeruch verpestet die Luft, der «Duft des Todes», wie es später heißt. Denn die fünf Grazien, die auf Jochen Rollers rotlichtgefluteter Bühne auf- und abschlendern, sich die Nylonstrümpfe hochrollen und die Handtäschchen schwenken wie Bordsteinschwalben aus...
Ein Mann nimmt Abschied von seiner Frau, und das mit einem «Kuss», der an eines der berühmtesten Gemälde Gustav Klimts erinnert. Er könnte ewig dauern, gäbe es anno 1462 nicht einen Krieg, aus dem am Ende zwar Dracula siegreich hervorgeht, doch seine Geliebte kostet er das Leben. Und so wird der Mythos einer ganz spezifischen Unsterblichkeit begründet, dem schon...
Man kann den Bildersturm, den Ikonoklasmus, auch mal wörtlich nehmen. Um das religiöse Verbot, sich ein Bild von Gott zu machen, tanzmäßig zu bebildern, lässt sich Stijn Celis von Nicolas Musin einen leeren Bilderrahmen bauen. Der schwebt drohend über der Szene, dazu entfacht der Komponist Lorenzo Bianchi Hoesch einen ordentlichen «Storm», in dem die Tänzer der...
