fall-studien
Ein guter Jongleur muss zwischendrin auch mal ein paar Bälle fallen lassen. Andernfalls sähe es so aus, als ginge er nicht an seine Grenzen. Im Zirkus werden Scheitern und Fallen bewusst in die Dramaturgie der Akrobatik integriert, um den Nervenkitzel zu steigern. Das Publikum rings um die Arena bewundert den Fall als Ausdruck der Gefahr und Vorboten kommender Höchstleistung. Nicht so im Ballett. Dabei wird körperlich hier zuweilen erheblich mehr riskiert. Man nehme nur den Spitzenschuh, der gleichsam die Immanenz des Sturzes zelebriert.
Auf der Spitze balancierend, stößt die Ballerina in eine Welt vor, die vor allem eins nicht kennt, nicht kennen darf: den Fall. Versagt sie, zerbricht das Ideal, und ein Entsetzen rast durch den Saal, wie es sonst nur der Sturz eines Seiltänzers auslöst. Fallen darf höchstens Giselle am Rand des Wahnsinns, also im Rahmen ihrer Rolle.
Dass das Fallen das Gegenteil des Schwebens ist, weiß jeder. Spott ist garantiert, wenn ein Partner beim Ball zu straucheln beginnt. Der Sturz aufs Parkett gleicht einem Offenbarungseid. Zwei Tanzende verstehen einander nicht. Man lacht über sie wie über Stummfilm-Antihelden, deren tragische Stürze höchste Komik ...
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Tanz Juli 2012
Rubrik: produktionen, Seite 16
von Thomas Hahn
Ein Mensch muss seinen Tod akzeptieren. Wie Silvana Schröder dieses Sujet für das ThüringenBallett aufbereitet, in den Kontext der stetig fließenden, alles begrenzenden Zeit stellt, macht ihre zweite Arbeit als neue Ballettchefin sehenswert. Ohne klar erkennbare Story geht sie «Zeit.Punkt.» an; am Ende schließt sich dennoch auf beeindruckende Weise ein Lebensbogen....
Gute Nachbarschaft ist eine feine Sache. In London liegen die National Gallery und das Royal Opera House nur einen Katzensprung auseinander. Trotzdem sind die world stage in Covent Garden und das am Trafalgar Square gelegene Museum bisher selten gemeinsam in Erscheinung getreten. Nun haben beide für den 14. Juli einen prominent besetzten Kunstgipfel anberaumt, der...
Wayne McGregor
was haben Sie sich für den Tanz am 14. Juli auf dem Trafalgar Square einfallen lassen? Ich dachte, im Geist von Olympia wäre es falsch, wenn nur eine Person den «Big Dance» choreografiert. Jeder der 2000 Menschen sollte selbst etwas beitragen können. Das ist viel kreativer. Eine ganze Reihe von Mentoren hat in zehn Wochen mit den teilnehmenden Gruppen...
