wien: jefta van dinther «grind»
Die Dunkelheit scheint zu atmen. Aus ihr erhebt sich, kaum sichtbar, ein Lichtschein. Schmutziges Violett. Die Kraft, die es kostet, das überhaupt wahrzunehmen, wird mit immer mehr Sichtbarkeit belohnt. Das diffuse Licht pulsiert im Rhythmus der Musik, bringt den Raum in Bewegung, als sei er ein eigener Organismus, vielleicht krank, vielleicht gefährlich. Nur langsam gibt er den Blick frei auf eine Bewegung. Nicht auszumachen, ob es ein Schatten oder ein Körper ist, der sich da aufbäumt.
Es ist ein Kampf.
Wie Tintoretto den Erzengel Michael gegen den Satan kämpfen lässt, wie auf unzähligen Gemälden der Heilige Georg mit zielgerichteter Kraft auf den Drachen einsticht, erscheint hier Jefta van Dinther, der tanzende Solist, im Kampf mit einem Schatten, einer Puppe oder einem realen Gegenüber. Die zunehmende Helligkeit lässt erst spät einen Blick ins Gesicht des Kämpfers zu, in seine stieren Augen, die Angst machen könnten, wären sie nicht so weit entfernt. Es scheint ein Kampf mit dem eigenen Dämon zu sein.
Mit genau kalkulierten Bildwucherungen wie aus der Barockmalerei spielen Jefta van Dinther, Minna Tiikkainen und David Kiers in ihrem Trio «Grind», gesehen im Berliner Theater ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Juli 2012
Rubrik: highlights, Seite 46
von Elisabeth Nehring
Ein kleiner, unbekannter Ort namens Pardes Hanna war Sharon Fridmans Zuhause in Israel. Heute lebt er Spanien und hat dort sein ers-tes großes Werk «Al menos dos caras» («Mindestens zwei Gesichter») herausgebracht, im Rahmen des «Festival de Otoño en primavera» in Madrid.
Aber wer ist Sharon Fridman, der Künstler? Er stammt wie die meisten seiner männlichen...
Gute Nachbarschaft ist eine feine Sache. In London liegen die National Gallery und das Royal Opera House nur einen Katzensprung auseinander. Trotzdem sind die world stage in Covent Garden und das am Trafalgar Square gelegene Museum bisher selten gemeinsam in Erscheinung getreten. Nun haben beide für den 14. Juli einen prominent besetzten Kunstgipfel anberaumt, der...
Shantala Shivalingappa lebt im XV. Pariser Bezirk, einem beschaulichen Wohnviertel, das von touristischen Attraktionen weitgehend verschont geblieben ist. Dennoch ist sie nicht unbedingt eine Pariserin. Wäre sie ein Kind des konsum- und arbeitsbesessenen Westens, könnte man die zierliche Demoiselle aus Madras für einen klassischen Workaholic halten. Ruhe findet sie...
