Fabien Prioville: «Jailbreak Mind»

Frankfurt/Main: Fabien Prioville beschäftigt sich in «Jailbreak Mind» mit dem Sog der künstlichen Bildschirmwelt.

Der Anfang ist Fliegen. Schräg hinter einem Hubschrauber, im Lärm, beschreiben wir eine Kurve, das wolkige Blau unter uns weicht dem geometrischen Grau einer Stadt, vielleicht New York, riesige Bauten werden erkennbar, Straßenschluchten von oben. Der Flug stoppt, die Kamera, wäre es eine, schaut von oben auf die Silhouette des Helikopters. Etwas fällt aus ihm heraus. Ein Mensch stürzt. Rudert mit Armen und Beinen. Der furchtbare Fall endet nie, denn das Bild bricht ab. Am besten, man sitzt ganz nah an der Bühne, um von der großen Filmprojektion an der Rückwand mitgenommen zu werden.

«Jailbreak Mind» von Fabien Prioville braucht diese Unmittelbarkeit, diesen Taumel im Hirn.

Denn darum geht es, um den Sog der künstlichen Bildschirmwelt. Es sind die Landschaften von Grand Theft Auto JTA, einem extrem erfolgreich verkauften Computergewaltspiel. Damit hat sich der Wuppertaler Franzose für seine im tanzhaus nrw herausgebrachte Produktion ein hochaktuelles Thema vorgenommen, doch entschieden, das Spiel weder zu erläutern noch nachzustellen, noch mit dem Zeigefinger zu mahnen. Sondern ihm gelingt es über weite Strecken, ganz unpostdramatisch, jene Unmittelbarkeit spürbar zu machen, bei der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2010
Rubrik: On Tour, Seite 38
von Melanie Suchy

Vergriffen
Weitere Beiträge
Orpheus

Der britische Psychoanalytiker Adam Limentani erzählte seinen Kollegen 1959 von «Mr. B.», einem besonderen Klienten. Jede Trennung stürzte diesen Mann in abgrundtiefe Verzweiflung. War der Therapeut telefonisch gerade nicht erreichbar, fürchtete Mr. B., er könne verstorben sein. Dass er den Arzt mit anderen Patienten teilen musste, schien unzumutbar. Jahrelang...

Astro-Afro-Futurologie

Wenn man als Schwarzer aus Birmingham, Alabama, stammt, stehen die Chancen für Höhenflüge nicht gut. Herman Blount, der das erkannte, legte sich 1952, noch am Beginn seiner schillernden Karriere als Jazzmusiker, also eine neue Herkunft und einen neuen Namen zu: Sun Ra vom Planeten Saturn.

Auf seinen Film «Space Is the Place» von 1972 beziehen sich Christoph Winkler...

Sankai Juku

Jeder Künstler kehrt irgendwann zurück zu seinen Wurzeln. Jahre-, jahrzehntelang produziert man für den Publikumsgeschmack oder den der Förderer und öffentlichen Geldgeber. Man bestätigt Erwartungen, die man selbst geschürt hat. Hinterfragt auch nicht mehr plakative Pauschalurteile, sondern reproduziert sie geflissentlich. Never change a winning style? Aber...