Nadja Saidakova: «Egopoint»
Der Horizont scheint unendlich weit. Wie im «Lied von der Erde» von Kenneth MacMillan blaut anfangs die Bühne im Haus der Berliner Festspiele, als wollten die Tänzer das Universum ausschreiten. Doch davon kann in «Egopoint» keine Rede sein, auch wenn ein Alu-Dreieck als zentrales Objekt des Stücks dem Auge Gottes ähnelt. Nadja Saidakova strebt nur insofern höhere Weihen an, als sie sich mit «Egopoint» nach nur zwei kürzeren Schrittfolgen als abendfüllende Choreografin versucht.
Kollegen wie William Forsythe, Jirí Kylián, John Neumeier oder Christian Spuck haben seinerzeit Jahre auf eine solche Chance warten müssen.
An den paar Namen lässt sich die ganze Problematik ihres Unterfangens ablesen. Anstatt einer Nadja Saidakova Gelegenheit zur Entwicklung zu geben, setzt man sie vor der Zeit einem Vergleich aus, der nicht bloß hinkt, sondern ihr vielleicht sogar schadet. Die Erste Solistin des Staatsballetts kann gar nicht mithalten mit Sylvie Guillem oder Sasha Waltz, die auf dem Festival spielzeit’europa ihre Produktionen zeigen. Nadja Saidakova ist als Choreografin bei aller Begabtheit noch eine etwas unbedarfte Anfängerin, der man «Egopoint» verzeiht. Immerhin macht sie darin ihre ...
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