Nadja Saidakova: «Egopoint»

Nadja Saidakova: «Egopoint» in Berlin

Tanz - Logo

Der Horizont scheint unendlich weit. Wie im «Lied von der Erde» von Kenneth MacMillan blaut anfangs die Bühne im Haus der Berliner Festspiele, als wollten die Tänzer das Universum ausschreiten. Doch davon kann in «Egopoint» keine Rede sein, auch wenn ein Alu-Dreieck als zentrales Objekt des Stücks dem Auge Gottes ähnelt. Nadja Saidakova strebt nur insofern höhere Weihen an, als sie sich mit «Egopoint» nach nur zwei kürzeren Schrittfolgen als abendfüllende Choreografin versucht.

Kollegen wie William Forsythe, Jirí Kylián, John Neumeier oder Christian Spuck haben seinerzeit Jahre auf eine solche Chance warten müssen.
An den paar Namen lässt sich die ganze Problematik ihres Unterfangens ablesen. Anstatt einer Nadja Saidakova Gelegenheit zur Entwicklung zu geben, setzt man sie vor der Zeit einem Vergleich aus, der nicht bloß hinkt, sondern ihr vielleicht sogar schadet. Die Erste Solistin des Staatsballetts kann gar nicht mithalten mit Sylvie Guillem oder Sasha Waltz, die auf dem Festival spielzeit’europa ihre Produktionen zeigen. Nadja Saidakova ist als Choreografin bei aller Begabtheit noch eine etwas unbedarfte Anfängerin, der man «Egopoint» verzeiht. Immerhin macht sie darin ihre ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2010
Rubrik: Repertoire, Seite 34
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
David Dawson

David Dawson bis letzte Spielzeit waren Sie Hauschoreograf des Dresden Semper­Oper Balletts und mitverantwortlich für die künstlerische Ausrichtung des Ensembles. Gab es für Ihre Kündigung einen Grund?
Eigentlich nicht. Natürlich unterschieden sich die künstlerischen Konzepte von Aaron Watkin und mir, auch war mein Plan, von vornherein die Starthilfe zu geben. Das...

Tomasz Kajdanski: «Lulu»

Einen «Regenbogen der Gefühle» verspricht Tomasz Kajdanski mit seinem Debüt am Anhaltischen Theater. In Eisenach von Erfolg verwöhnt, hat er sich hier nun «Lulu» nach Frank Wedekind ausgesucht. Der Neoklassik Gonzalo Galgueras und den spektakulären Inszenierungen von Gregor Seyffert, seinen Vorgängern, lässt er düster dramatisches Tanztheater folgen. Mit Sinn und...

Voisin

Voisin heißt er und ist keine zehn Jahre alt. Ganz genau weiß man’s nicht. Niemand an der Elfenbeinküste nennt sein wahres Alter. Voisin heißt auf Deutsch: der Nachbarsjunge. Er wuchs auf wie alle Kinder, die hier in Schwärmen leben. Die vielleicht Fünfjährigen passen auf die Zweijährigen auf. Etwas ältere Kinder bekommen am Spielfeldrand von den Nachbarn eine...