Eitelkeit
Muss sich ein Künstler die Frage stellen, ob er eitel ist, oder sogar zu eitel? Ein Künstler ist immer auf der Suche nach der eigenen Identität. Doch im Ballettsaal, umgeben von Spiegeln – großen Spiegeln, solchen denen man nicht entrinnen kann – und umringt von jungen, schönen Tänzern, geht es vor allem um Perfektion. Aber auch um Einklang mit sich selbst. Unter diesen Umständen ist es schwierig, sich nicht mit seinem Spiegelbild, seinem Äußeren, der Attraktivität und deren Wirkung auseinanderzusetzen.
Im klassischen Ballett geht es meist um körperliche Grenzen und darum, diese Schritt für Schritt auszuweiten, die Räume dahinter zu öffnen, sie begehbar zu machen. Das hat immer mit Ehrgeiz zu tun. Folgt daraus nicht automatisch der Drang, sich auch äußerlich zu optimieren, sich sozusagen konkurrenzfähig zu machen, das Beste rauszuholen, die Möglichkeiten voll auszuschöpfen? Dem Ballett wird oft Oberflächlichkeit vorgeworfen. Aber die Schönheit und Strahlkraft einer Julia ist ohne einen unwiderstehlich charmanten Romeo nicht denkbar – und umgekehrt. Das gilt nicht nur im Tanz. Auch im Theater, im Film wird man lange nach einem Romeo mit Haarausfall oder einer Julia mit Mischhaut ...
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Tanz Mai 2017
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Michael Banzhaf
Es ist der Körper, genauer: der «fotografierte Körper aus der Vergangenheit», der ihm zeigt, wie tief und unauslöschlich seine Klassenherkunft in ihn eingeschrieben ist. Als Didier Eribon das erkennt, ist er längst einer der führenden Intellektuellen Frankreichs. Er hat eine vielbeachtete Biografie über Michel Foucault verfasst, ist Vordenker der Queer Studies,...
Dakhla ist das arabische Wort für Tor, Eingang, Hafen. In drei Hafenstädte führt uns Abou Lagraa: Hamburg, Algier, New York. Drei verschiedene Lebensgefühle, zusammengehalten von vier Tänzern: zwei Damen, zwei Herren, zwei Pärchen – eines aus dem Hip-Hop, das andere aus dem zeitgenössischen Tanz. Touristische Perspektiven lässt Lagraa links liegen. Es gibt in...
Warum ein «Requiem», und das ausgerechnet in einem Programm, das sich «East» nennt? Zunächst hat das natürlich mit dem Haus zu tun, für das Sidi Larbi Cherkaoui seit 2016 arbeitet. Genauer gesagt: mit dem «Kunsthuis» in Antwerpen und Gent, unter dessen Dach nicht unbedingt aus eigenem Antrieb Oper und Ballett Unterschlupf gefunden haben: eine «Zwangsheirat», sagt...
