Requiem
Warum ein «Requiem», und das ausgerechnet in einem Programm, das sich «East» nennt? Zunächst hat das natürlich mit dem Haus zu tun, für das Sidi Larbi Cherkaoui seit 2016 arbeitet. Genauer gesagt: mit dem «Kunsthuis» in Antwerpen und Gent, unter dessen Dach nicht unbedingt aus eigenem Antrieb Oper und Ballett Unterschlupf gefunden haben: eine «Zwangsheirat», sagt denn auch der Künstlerische Leiter des Ballet Vlaanderen. Ein Friedensstifter der choreografischen Art, konnte ihm die vorgefundene Situation nicht sonderlich gefallen.
Von Anfang an wollte er deshalb alle Abteilungen einmal auf seine Weise zusammenbringen und damit ein versöhnliches Zeichen setzen in einer Zeit, die nicht nur seiner Einschätzung nach sonst eher etwas Zerstörerisches hat.
Deshalb stehen im «Requiem» von Gabriel Fauré Sänger, Choristen, Kinder, Tänzer, kurz: Vertreter aller Gewerke und Generationen zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne. Aber was heißt hier schon «stehen»? Nur eine Tänzerin, nämlich die engelhafte Aki Saito, steht am Anfang und auch später immer wieder auf der Spitze, während Cherkaoui alle anderen wie im Schmerz erbeben lässt. Eine wiegende Bewegung der Arme und des Oberkörpers, aus einer ...
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Tanz Mai 2017
Rubrik: Produktionen, Seite 12
von Hartmut Regitz
Katja Schneider, Sie sind Tanzwissenschaftlerin und Dozentin am Theaterwissenschaftlichen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität in München – und Dramaturgin des Festivals «Dance». Für die 15. Ausgabe haben Sie nun ein internationales und fachübergreifendes Symposium konzipiert und greifen im Titel einen Gedanken der französischen Kollegin Laurence Louppe auf:...
Die Nachricht vom Tod der großen alten Dame des postmodernen Tanzes am 18. März 2017 in San Antonio/Texas, nur wenige Monate nach ihrem 80. Geburtstag im November letzten Jahres, kam nicht ganz überraschend. Neben der Trauer über einen Abschied, der sich lange angekündigt hat, löste sie eine Bilderflut im Kopf aus. Eine Bilderflut, die einerseits die Traurigkeit...
Er liebt es, sich ständig etwas Neuem auszusetzen: Shaolin-Mönchen, dem Tango, Wagners «Ring», japanischen Mangas, den Ballets russes, der Sprachverwirrung von «Babel», der «Nussknacker»-Märchenwelt, Ravels «Boléro». Sidi Larbi Cherkaouis Blick auf die Bewegung, welche Tanz wird, ist einer, der die Vielfalt sucht, das Neue, Andere in den Kulturen, Religionen und...
