Ein müder Held

Er war Liliom, Alexej Karenin und viele mehr Carsten Jung beendet seine Karriere als Solist am Hamburg Ballett. Falk Schreiber porträtiert einen maskulinen, souveränen, sensiblen Tänzerdarsteller

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Carsten Jung entschuldigt sich: Er müsse sein Handy während des Gesprächs anlassen, es könne sein, dass die Arbeitsagentur anrufe. Der Tänzer hat sich arbeitssuchend gemeldet, weswegen er ständig erreichbar sein muss. Prosaischer kann ein Interview nicht beginnen, symbolträchtiger allerdings auch nicht: Jung ist nicht irgendwer, sondern Erster Solist an John Neumeiers Hamburg Ballett.

Und auch wenn man den Begriff «Star» im Kunstkontext nur unter Vorbehalt benutzen sollte, so war Jung doch eindeutig ein solcher – ein Tänzerdarsteller, der große Rollen wie Stanley Kowalski in «Endstation Sehnsucht» und Titelhelden in «Liliom» oder «Peer Gynt» zu verkörpern wusste.

Offen für alles

Und dieser Star muss sich jetzt mit den Nickeligkeiten der deutschen Arbeitsmarktbürokratie herumschlagen: Mit der Saison 2018/19 hat Jung seine aktive Tanzkarriere beendet. 44-jährig. Ohne Anschlussverwendung, wie es im Amtsdeutsch heißt, ohne doppelten Boden. «Im Moment bin ich offen für alles», lacht er. «Nach so langer Zeit des professionellen Engagements ist man ja eigentlich prädestiniert, im Geschäft weiterzumachen. Aber: Es gibt zurzeit keine Planstellen an der Schule des Hamburg Ballett oder in ...

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Tanz August/September 2019
Rubrik: Menschen, Seite 27
von Falk Schreiber

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