Durch die Nacht

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«Ich bin der nette Onkel», lächelt der ältere Herr, «und ich bringe Kaffee und Süßigkeiten.» «Nimm nichts von Fremden!», das hat man schon häufig gehört, aber man sitzt seit mehreren Stunden im Zug, man ist kurz vor Dresden, man braucht jetzt einen Kaffee. Und der nette Onkel ist auch gar nicht so nett, dass er einem den Kaffee schenken würde, man muss für das Getränk bezahlen, und zwar gar nicht mal so wenig. Der Kaffee schmeckt nicht besonders.

Als reisender Kritiker kann man viele Geschichten vom Bahnfahren erzählen.

Und die Leute lieben Geschichten vom Bahnfahren, weil diese Geschichten sie bei der eigenen Erfahrung abholen: wie man einmal nachts in Rothenburg an der Wümme feststeckte, weil der Zug einfach nicht weiterfuhr. Wie man den Anschluss verpasst hatte, wegen «verspätetem Personal aus einem anderen Zug». Wie der Zug ohne anzuhalten am Bahnhof Lüneburg vorbeifuhr, und, haha, wie die Fahrgäste am Bahnsteig geschaut haben! Wie bestellt und nicht abgeholt! Wer von Bahnreisen erzählt, erzählt Horrorgeschichten, weil sich der Horror, der einem auf den Schienen begegnet, tiefer einprägt. «Der Zug war pünktlich, ich kam noch rechtzeitig zur Premiere nach Regensburg» – das ist ...

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Tanz Oktober 2023
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Falk Schreiber

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