Big shit
Es ist ein Heimspiel, das Marco Goecke am 11. Februar zu absolvieren hat. An der Staatsoper Hannover geht die Premiere «Glaube – Liebe – Hoffnung» über die Bühne, mit Choreografien von Medhi Walerski, Guillaume Hulot und Goecke selbst, seit 2019 Ballettdirektor des Hauses. In der ersten Pause trifft Goecke auf die Tanzkritikerin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Wiebke Hüster. Die Wahrnehmungen und Darstellungen dessen, was folgt, gehen auseinander.
Sicher ist: Es kommt zu einem Wortgefecht, dann zückt Goecke einen Beutel und drückt der Journalistin die Ausscheidungen seines Hundes ins Gesicht.
Egal, mit wem man in den Wochen danach redet – ausnahmslos alle verurteilen die Attacke als absolutes No-Go. Zu Recht. Jenseits der allgemeinen Missbilligung eines Vorgehens, mit dessen Strafbarkeit – Tatvorwürfe wie Körperverletzung und Beleidigung stehen in Rede – sich vermutlich ein Gericht befassen wird, hüllt sich die deutsche Tanzszene allerdings öffentlich in beredtes Schweigen, nach beiden Seiten. Das System reagiert nach innen, nicht aber nach außen. Warum? Welche Vorgeschichte(n) stecken dahinter?
Umso heftiger fallen die Antworten anderer Player aus. Der Deutsche ...
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Tanz 4 2023
Rubrik: Kunst und Kritik, Seite 44
von Dorion Weickmann
CLAUDE BESSY
Dass die Pariser Oper eine «Soirée exceptionelle» in ihren Räumen veranstaltet, kommt nicht alle Tage vor. Aber für Claude Bessy, die im vergangenen Oktober 90 Jahre alt geworden ist, macht man eine Ausnahme. Die 1956 zur Danseuse étoile promovierte Tänzerin hat vor allem die angegliederte Schule geprägt, der sie von 1973 bis 2004 vorstand. Allerdings...
Wie sehen Faszien eigentlich aus? Das feine Fasernetz, das Muskeln und Knochen umhüllt, ist verborgen unter unserer Haut. Was passiert mit den Faszien, wenn der Körper tanzt? Tobias Gremmler gibt meisterhaft den verborgenen Kräften und Strukturen eine Form – ein weiteres superbes Beispiel von Motion Capturing und 3D-Animation. Verhüllt lässt er aber die Entstehung...
Einmal hatte Marco Berrettini richtig Pech. Er arbeitete an einer Inszenierung in Paris, an einem dieser Theater mit vielen verwinkelten Korridoren und Räumen, die nur nach Eingabe eines Codes am Türöffner betretbar sind. Ein sicherer Ort, um dort sein technisches Equipment zu verwahren. Sollte man meinen. Und doch war plötzlich alles weg: Computer und vor allem...
