dresden: Nora Schott: «schwarzer Vogel roter Himmel»
Raum ist in der kleinsten Hütte. Manchmal genügt auch ein Couchtisch, um darauf ein Tanzstück zu choreografieren. Obendrauf treten sich Wolfgang Boos und Nora Schott gegenseitig nicht mal auf die Füße, auch wenn sie sich nicht aus dem Weg gehen können. Er spricht. Sie tanzt. Berührungsängste gibt es auf beiden Seiten nicht. Von einer ernsthaften Beziehung kann auch keine Rede sein. Wohl meint er immer wieder: «Ich liebe dich doch, ich werde von dir geliebt.
» Aber sobald die motorische Musik von Johannes Beere ertönt, ballt sein weibliches Pendant die Fäuste, kreuzt abwehrend die Arme, und der Körper ruckt und zuckt, als hinge er marionettenhaft an den Fäden seiner Sprache. Wie verpuppt wirkt Nora Schott hier, eine auffallend eigenartige Tänzerin, während sich ihr Partner in seiner Liebeslitanei verliert. Noch scheinen bei jedem Laut ihre Glieder schmerzhaft zu erschaudern. Doch als sie ihm auf den Busch, vielmehr auf die Brust, klopft, kommt sein schnulzenhafter Schlagersound ins Stottern.
Juliane Werding zitierend, reflektiert «schwarzer Vogel roter Himmel», eine Produktion der shot AG für das Programm «Auftrieb» des LOFFT in Leipzig, das problembelastete Verhältnis von Sprache und ...
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Rubrik: kalender und kritik, Seite 32
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