Dortmund: Theater der Klänge: «Das Lackballett»

Tanz - Logo

Als die Nationalsozialisten Oskar Schlemmer mit einem Berufsverbot belegten, bot ihm der Wuppertaler Unternehmer Kurt Herbert in seinen Farbwerken Schutz und Arbeit. Hier konnte der Choreograf unter den bildenden Bauhaus-Künstlern in einem Lacklabor mit anderen verfemten Kollegen die Verwendung neuer Kunstharzlacke erforschen. Und hier entstand kurz vor seinem Tod – im Geheimen – sein letztes Bühnenwerk, «Das Lackballett», anlässlich des 75-jährigen Firmenjubiläums. Es tanzte am 6.

Dezember 1941: die Betriebsgymnastikgruppe! «Schlecht und recht», wie Schlemmer zur einzigen, dreiminütigen Aufführung anmerkte. Das Düsseldorfer Theater der Klänge unter Leitung von Jörg U. Lensing hat die Figurinen im Bauhaus-Jahr wiederbelebt anhand minimaler Quellen – vier Farb-Aquarellentwürfe, fünf Fotografien und Briefe von Schlemmer – und ins digitale Zeitalter weitergedacht. 

Die Theaterbühne als Labor: Mit großer Ruhe experimentieren die vier Tänzerinnen und zwei Tänzer mit Materialien und Farben, bis die sechs Figurinen nach einer knappen Stunde als strahlendes Ergebnis den «Reigen in Lack» interpretieren: «Das Lackballett» setzt einen knallbunten Punkt unter die Auseinandersetzung des ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Februar 2019
Rubrik: Kritik, Seite 35
von Bettina Trouwborst

Weitere Beiträge
In der Pipeline

Für dieses Projekt hat er fast ein Jahrzehnt geackert, und zwar unter den -Argusaugen der Yellow Press. Die nämlich posaunte 2011 heraus, dass sich Mick Jagger für die Konzerte der Rolling Stones weder mit Zumba noch mit Capoeira fit hält, sondern: an der Ballettstange. Für März ist nun am Mariinsky eine Uraufführung anvisiert, kuratiert von Jagger, choreografiert...

Sleeping Beauty Dreams

Die Geschichte von «Dornröschen» zählt zu den Evergreens des Ballettrepertoires, seit Marius Petipa und Peter Tschaikowsky sie auf die Tanzbühne gebracht haben. Das kann man natürlich immer wieder neu erzählen, aber der Regisseur und Produzent Rem Khass hatte eine andere Idee: Wie wäre es, die Perspektive zu wechseln und abzutauchen ins Unterbewusste der...

Heidelberg: Iván Pérez «Impression»

Seine Vorgängerin Nanine Linning liebte das Dekorative, die großen, effektvollen Bilder. Heidelbergs neuer Tanzchef Iván Pérez (tanz 12/18) scheint eher ein Choreograf des Intrikaten, Stillen, Melancholischen zu sein. Nachdem er sich den Heidelbergern im Spätsommer mit einer Performance im Freien vorgestellt hatte, folgte nun im Marguerre-Saal das erste...