dominique delouche

Der französische Meister des Tanzdokumentarfilms hat seine Memoiren veröffentlicht. In der Hauptrolle: die Étoiles der Pariser Opéra unter der Leitung von Serge Lifar. Wie er diese Stars und das Paris zur Zeit der Nazi-Okkupation erlebt hat, schildert er Thomas Hahn

Tanz - Logo

Monsieur Delouche, Sie haben die Filmkunst unter anderem bei Federico Fellini erlernt, waren aber gleichzeitig Ihr ganzes Leben lang ein großer Ballett-Fan. Was bedeutet Ihnen der Tanz, wie haben Sie ihn überhaupt entdeckt?
Sehr früh, während des Kriegs, im besetzten Paris. Ich war elf Jahre alt. Paris hatte zu der Zeit keine Straßenbeleuchtung. Im Dunkel der Nacht wirkte die Opéra wie ein schillerndes Juwel, und im Inneren dieses Märchenpalasts tauchte man intensiv in die Bühnenfantasien ein. Ich bat meine Eltern immer wieder, mich mitzunehmen.

Ich besuchte auch Opernaufführungen, interessierte mich für klassische Musik und spielte intensiv Klavier – bis hin zu dem Punkt, dass ich zeitweise sogar eine Karriere als Pianist ins Auge fasste.

Wie war die Stimmung im besetzten Paris? 
Die Pariser froren und aßen schlecht, versuchten aber so zu tun, als ginge es ihnen gut. Man klagte nicht. Die Moral war gut, denn wir glaubten daran, dass die Besetzung eines Tages vorübergehen würde.

Sie schreiben, dass man sich als Pariser in der Opéra fast wie im Ausland fühlte – Hakenkreuzfahnen überall.
Und viele Deutsche. Sie kamen zahlreich ins Ballett und in die Oper, wo es bekanntlich keine ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2016
Rubrik: Menschen, Seite 22
von Thomas Hahn

Weitere Beiträge
Vorschau

im februar: biennale tanzausbildung
Zum 5. Mal treffen sich Tanz-Lehrende und -Studierende, Künstler und Wissenschaftler – diesmal zum Thema «Feedback und Reflexion». Gastgeber ist das Zentrum für Zeitgenössischen Tanz der Musikhochschule Köln, dem Vera Sander vorsteht. Zum Auftakt gibt es zwei Aufführungsabende aus den Akademien, am Ende ein Symposion rund um die...

Der Lehrer: Julyen Hamilton

Julyen Hamilton, Sie sind Tänzer, Choreograf und Dichter und haben sich die spontanste Form unter den Künsten zum Beruf gemacht. Mit Ihrer Improvisations-Methode reisen Sie seit 40 Jahren um die Welt.
Tatsächlich ist es so, dass ich gar keine Methode entwickelt habe. Ich habe lediglich meine Interessen praktiziert und verfeinert, als Performer und...

Chemnitz: «Eugen Onegin»

Eben noch erblüht der Morgen in seiner ganzen Farbigkeit, da lässt ein Donnerschlag den Stimmungsumbruch ahnen. Nicht dass Onegin Tatjana einfach im Regen stehen ließe, dafür ist der Nobelmann aus Sankt Petersburg Kavalier genug. Aber im gleichen Maße, wie er lesend ihr Liebesgeständnis verinnerlicht, knickt ihr Körper ein – gefaltet und geplättet wie der Brief,...