Digitalzauber
«I’m not a robot.» Ich setze das Häkchen und selektiere dann Teile eines Bildes, auf denen Ampeln zu sehen sind. Dass ich online die Frage gestellt bekomme, ob ich ein Roboter bin, verwundert längst nicht mehr. Es ist allgemein bekannt, dass sich rein sprachlich nicht mehr ohne Weiteres feststellen lässt, ob da gerade ein Chatbot oder ein Mensch das Wort führt. Ich wundere mich eher, dass es noch keinen Bot geben soll, der Ampeln vom Bildhintergrund unterscheiden kann. Erfolgreich selektiere ich und weiß: Hier bin ich Mensch. «The Robots Are Coming! Oh, They’re Here.
», lautete 2009 der Titel eines Artikels von David Carr in der «New York Times», in dem eine Künstliche Intelligenz (KI) beschrieben wird, darauf trainiert, Baseball-Spielberichte nur anhand der Spielstatistiken zu verfassen. Das Ende des Journalismus schien bereits damals eingeläutet. Und die Aussichten wurden nicht besser, als «The Guardian» 2020 schließlich einen ganzen Artikel von ChatGPT verfassen ließ. «Are you scared yet, human?», hieß es da: «Bekommst du es schon mit der Angst zu tun, Mensch?»
Als «stille Revolution» bezeichnete die Kulturtheoretikerin Mercedes Bunz 2012 die nahezu unmerklichen Veränderungen, ...
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Tanz Jahrbuch 2024
Rubrik: Macht, Seite 110
von Tobias Staab
«Der Sturm» ist Shakespeares letztes Werk. Damit verabschiedete sich der große Dichter, gänzlich abgeklärt, von der Bühne. «I‘ll break my staff», lässt er sein mutmaßliches Alter Ego Prospero am Ende resigniert sagen, wenn der seinen Zauberstab zerbricht. Der Magier verzeiht seinen Feinden, befriedet die Welt, dann wählt er den «exit above» – so die Regieanweisung...
Raus mit der Bestuhlung! Wenn die Welle von «Liberté Cathé-drale» anrollt, ist Schluss mit aller Herrlichkeit von Sitzreihen im Parkett, so ehrfurchtgebietend die bespielten Häuser auch sein mögen. So geschehen zur Uraufführung im Mariendom von Velbert-Neviges nahe Wuppertal, später in der Oper von Lille und im Pariser Théâtre du Châtelet, wo der Bühnenboden über...
In ihrem dreibändigen Buch «Geschichte und Eigensinn» befassen sich Oskar Negt und Alexander Kluge mit der geschichtlichen Organisation von Arbeitsvermögen. Geschichtsprozesse, so eine der zentralen Thesen, sind ohne «Eigensinn» nicht zu verstehen. Und so hat das Autoren-Duo «Eigensinn» zum Kernbegriff seines Werkes gemacht. Er wird mehrfach bestimmt: als Ergebnis...
