Digitalzauber
«I’m not a robot.» Ich setze das Häkchen und selektiere dann Teile eines Bildes, auf denen Ampeln zu sehen sind. Dass ich online die Frage gestellt bekomme, ob ich ein Roboter bin, verwundert längst nicht mehr. Es ist allgemein bekannt, dass sich rein sprachlich nicht mehr ohne Weiteres feststellen lässt, ob da gerade ein Chatbot oder ein Mensch das Wort führt. Ich wundere mich eher, dass es noch keinen Bot geben soll, der Ampeln vom Bildhintergrund unterscheiden kann. Erfolgreich selektiere ich und weiß: Hier bin ich Mensch. «The Robots Are Coming! Oh, They’re Here.
», lautete 2009 der Titel eines Artikels von David Carr in der «New York Times», in dem eine Künstliche Intelligenz (KI) beschrieben wird, darauf trainiert, Baseball-Spielberichte nur anhand der Spielstatistiken zu verfassen. Das Ende des Journalismus schien bereits damals eingeläutet. Und die Aussichten wurden nicht besser, als «The Guardian» 2020 schließlich einen ganzen Artikel von ChatGPT verfassen ließ. «Are you scared yet, human?», hieß es da: «Bekommst du es schon mit der Angst zu tun, Mensch?»
Als «stille Revolution» bezeichnete die Kulturtheoretikerin Mercedes Bunz 2012 die nahezu unmerklichen Veränderungen, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Tanz Jahrbuch 2024
Rubrik: Macht, Seite 110
von Tobias Staab
Braucht Tanz einen Kanon? Gibt es ihn? Und wenn ja: Wie gehen wir damit um? «Jeder Kanon entsteht mit einem Trennungsstrich. Er erzeugt unweigerlich eine Dialektik zwischen dem, was hineinkommt und dem, was draußen bleibt», so der Soziologe Alois Hahn. Die Archivierung von Performance, von Events und Zeitkünsten ist eine besondere Herausforderung, denn sie wirft...
Das Opera Ballet Vlaanderen hat die internen Hierarchien abgeschafft. In den Programmheften stehen unter den Fotos der Tänzerinnen und Tänzer keine Ränge mehr. Alle sind jetzt sozusagen Principals, oder alle sind Mitglieder des Corps de ballet – je nachdem, wie man es betrachten möchte. Was eher ins Auge sticht, ist die Diversität des Programms selbst: Die Kompanie...
Alexandre Lacroix, in Ihrem Buch «La Danse – Philosophie du corps en mouvement» begleiten sie einen Danseur und eine Danseuse étoile des Pariser Opernballetts durch den Arbeitsalltag im Palais Garnier. Sie beobachten das Geschehen praktisch aus der Position eines Soziologen, wenn nicht gar eines Anthropologen, der auf eine unbekannte Kultur schaut. Wie ist es Ihnen...
