Digitaltwist
Virtuelle Realitäten sind reine Augenwelten. In künstlichem Computerdesign huschen immaterielle, sich schnell verflüchtigende Avatare durch den Raum, von realen Körpern keine Spur. Zwar wird der Blick um 360 Grad erweitert, spart jedoch großzügig den eigenen Körper aus. Man sieht die Hände nicht vor Augen, sie werden angezeigt wie graue Mauszeiger. Auch das Tanzbein schwingt nicht: Unter dem Headset bleibt nur ein Phantomschmerz, die unsichere Gewissheit, überhaupt auf zwei Beinen zu stehen.
Neulinge empfinden die VR-Brille oft wie eine Amputation: Die Gliedmaßen sind weg, man fühlt nur noch, dass sie da sind. Darum lässt VR den Körper schwindeln.
Welt ohne Körper
Bei einem Netzwerktreffen im Deutschen Tanzarchiv in Köln anlässlich des «Moovy»-Tanzfilmfestivals, das Mitte März ein Dutzend solcher Anwendungen – darunter auch «The Cosmic Egg» auf Grundlage einer traditionellen Erzählung – aus Augmented und Virtual Reality (VR) in der TanzFaktur präsentierte, wird dieser Aspekt der VR als «dialektisches Phänomen» beschrieben. Je mehr sich der Blick vom eigenen Körper entfremdet, desto stärker das Gefühl der Immersion – des Eintauchens aller Sinne in eine Welt ohne Körper, als wäre ...
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Tanz August/September 2024
Rubrik: Ideen, Seite 54
von Arnd Wesemann
Wenn Rita Mazzas Darstellungen mit einem Wort bezeichnet werden müssten, wäre es «genau» – das «genau», bei dem sich in Gebärdensprache der Unterkiefer anspannt und ein imaginärer Faden zäh mit beiden Daumen und Zeigefingern gespannt durch die Luft führt. Aber zäh ist es nicht, was man sieht. «Matters of Rhythm» ist Mazzas erste Arbeit, bei der sich der Eindruck...
Eine einstündige One-man-Show, Auge in Auge mit dem Publikum: Der experimentierfreudige Performer Marco D’Agostin erweist seinem Mentor Nigel Charnock die Ehre, dem großen englischen Entertainer, der in den 1980er-Jahren das DV8 Physical Theatre mitgründete und 2012 viel zu früh, mit 52 Jahren, verstarb. Als die beiden einander begegneten, war D’Agostin 23 Jahre...
Newcomer
PABLO GIROLAMI
Seine choreografische Sprache ist von der Tierwelt inspiriert, sie ist instinktiv, sie formt die Körper zu wirbellosen Lebewesen. Die Natur ist das Leitmotiv des kreativen Universums von Pablo Girolami, Schweizer Tänzer und Choreograf italienisch-spanischer Herkunft, der sich im Nordosten Italiens niedergelassen hat, wo er zusammen mit...
