Die zweite Welle

Die erste Welle ist an Land geprallt, die zweite folgt sogleich. Wenn die erste Welle zurück ins Meer spült, bäumt sich die zweite über der ersten auf und bricht. An der Küste nennt man solche Wellen Brandung. Der physikalische Ablauf hat damit zu tun, dass die Länge der Welle deutlich größer ist als die Wassertiefe. Wer dabei ans aktuelle Infektionsgeschehen denkt, kann behaupten: Die Länge der Covid 19-Welle gründet auch darin, dass – geringe Wassertiefe – zu viele Menschen regelmäßig zu wenig Platz haben. Gilt für S-Bahnen und Flugzeuge. Nur fürs Theater nicht.

Das Publikum hat dort jede Menge Platz, also mehr Wassertiefe, um den eigenen Atem bedenkenloser diffundieren zu lassen. Auswirkungen hat das auch auf den Applaus. Er schlägt den Tanzenden nicht länger wie tosende Brandung entgegen, eher wie ein höfliches Plätschern.

Obwohl es da Unterschiede gibt, regionale. Zürichs Opernhaus lässt Dreiviertel seiner Kapazität als Publikum ins Haus – da tobt der Applaus. Nur die Maske bleibt auf. In Deutschland dagegen findet mancherorts gerade mal ein Viertel der Zahlungswilligen Einlass. Maskenpflicht besteht bloß im Foyer. Im Zuschauerraum geht es lässig zu: Füße auf den Vordersitz, ...

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Tanz November 2020
Rubrik: warm-up, Seite 1
von Arnd Wesemann

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