Die Vergessene

Eine Würdigung zu Manja Chmièls 100. Geburtstag

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«Mein Tanz ist nicht Ausdruckstanz. Ich stelle weder Gestalten dar, noch deute oder veranschauliche ich emotionale Vorgänge oder stoffliche Inhalte. Meine Tänze sind in bestimmte Ordnung gebrachte Bewegungsgebilde, die ihre eigene Realität haben und dem Zuschauer als dynamisch optisches Bild zufließen sollen. Ich will, dass die Struktur meiner Tänze mit der Struktur unserer Zeit identisch ist.» Manja Chmièl, 1962

Manja Chmièl war gerade 40, als sie diese kühle Tanzthese verfasste, um ihre Kritiker zu «neuem Schauen» zu erziehen.

Die Abkehr vom Ausdruckstanz war ein Wendepunkt im Leben der Tschechin ungarisch-polnisch-österreichischer Abstammung. Er markierte zugleich den Abschied von ihrem «Leitstern» Dore Hoyer, der «letzten Fahnenträgerin des Ausdruckstanzes». Räumlich emanzipierte sie sich von ihrer geschätzten Lehrerin Mary Wigman, in deren Studio sie, als Nachfolgerin Marianne Vogelsangs, zehn Jahre lang Tanztechnik und Improvisation gelehrt hatte. Sie eröffnete in der Fasanenstraße 23 in Berlin, dem heutigen Literaturhaus, ihr eigenes Ausbildungs-Studio, Domizil für die frisch gegründete Gruppe Neuer Tanz Berlin. Für den Nachwuchs bei Wigman waren ihre rhythmisch komplexen, ...

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Tanz Februar 2022
Rubrik: Menschen, Seite 24
von Irene Sieben

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Impressum 2/22

tanz. Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance

Herausgeber Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

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