Entgrenzung

Schluss mit Schubladendenken, Ende der Etiketten-Sucht: Der Tänzer Paweł Dudus ist sein eigenes Role Model. Was das bedeutet, schildert Theresa Luise Gindlstrasser

«Berührung ist eine Sprache, die wir beide sehr gut sprechen», bekunden Lucy Wilke und Paweł Duduś in ihrer Performance «Scores that shaped our friendship» (tanz 5/21). Nachsatz: «In German I make mistakes» – Duduś’ Erstsprache ist Polnisch. Aber um Einschränkungen, die behoben werden müssten, um miteinander Peer sein zu können, geht es gerade nicht. Sondern um eine Freundschaft, in der sich zwei treffen, so wie sie sind beziehungsweise miteinander sein wollen. Zärtlich zum Beispiel. Oder kinky. Oder oder.

Mit einem «Faust»-Theaterpreis ausgezeichnet und zum «Theatertreffen 2021» eingeladen, versammelt «Scores that shaped our friendship» verschiedenste Spiele, Fantasien und Care-Tätigkeiten zu einem Beziehungs-Panorama. Und das Publikum findet sich, auf flauschigen Decken sitzend und zur Teilhabe eingeladen, mittendrin wieder. Wäre nicht Corona. Derzeit geht alles nur als filmische Umsetzung.

Kennengelernt haben sich die beiden 2017 während der Arbeit an «Fucking Disabled», einer Stückentwicklung über Sex und Begehren zwischen Menschen mit und ohne Behinderung. Angestoßen hat sie der Regisseur David von Westphalen am PATHOS Theater in München. Dort ist Wilke, die spinale ...

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Tanz Juni 2021
Rubrik: Queerness, Seite 20
von Theresa Luise Gindlstrasser

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