Franck Chartier/Peeping Tom: «Dido and Aeneas»
Ein Albtraum? Was sonst! Erst als man die alte Lady von der Last der unzähligen Bettlaken befreit, atmet sie auf. Doch der Druck bleibt, und die Erinnerung an ihren verstorbenen Gatten. Als wäre sie nicht mehr sie selbst, flüchtet sich Eurudike De Beul in die Musik von Henry Purcell, und wie in seiner einzigen Oper «Dido and Aeneas» erlebt sie das Schicksal der Karthager-Königin immer und immer wieder am eigenen Leib.
Dabei steht ihr durchaus ein Alter Ego in Gestalt der Mezzosopranistin Marie-Claude Chappuis zur Seite, doch die erleben wir später im Kreis der geköpften Hexen auch als Zauberin. Wie in so vielen Aufführungen von Peeping Tom ist alles anders, als es zunächst erscheint, und auch in der ersten Opernarbeit von Franck Chartier (der zusammen mit Gabriela Carrizo das belgische Tanztheater-Kollektiv leitet) hat die surreale Szene nicht bloß einen doppelten Boden. Sie ist ganz offensichtlich auf Sand gebaut, und der droht am Ende alles samt und sonders zu verschlingen.
Klar, ein Albtraum. Und keiner, den man so schnell vergessen wird. Vielmehr wünscht man sich tausend Augen, um alle Details der Genfer Aufführung auf einmal zu erfassen. Der Stream auf ARTE concert macht ...
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Tanz Juni 2021
Rubrik: Kalender, Seite 43
von Hartmut Regitz
MODERNER TANZ
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