Die Reisscheune

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Man sollte sich im Vorfeld Gedanken über die documenta fifteen machen. Über die Künstler*innenliste, über das Ausstellungskonzept, darüber, welche abstrusen Hinterhöfe Kassels diesmal bespielt werden. Bloß: Man konnte sich keine Gedanken machen. Lange Zeit wusste man nicht einmal, welche Künstler*innen bei der großen Gegenwartskunstschau zu sehen sind. Stattdessen diskutierte man über den tatsächlichen oder angeblichen Antisemitismus der aktuellen Ausstellungsleitung, des indonesischen Kollektivs ruangrupa.

Was man wohl als kommunikatives Desaster bezeichnen kann – die Diskussion muss zwar geführt werden, aber doch nicht ausschließlich! Wenn man wenigstens über ein neues Verständnis von Kuration reden würde. ruangrupa erklären, dass sie die documenta fifteen nach den Prinzipien des «lumbung» organisieren wollen. «lumbung», das bezeichnet in Indonesien eine gemeinschaftlich genutzte Reisscheune, in der die überschüssige Ernte zum Wohle aller gehortet wird. Was in diesem Fall auch heißt: Autorschaft, Hierarchien, Wertschöpfung geraten ins Schwimmen. Und leider auch Verantwortlich - keiten.

Wer ist verantwortlich, wenn ein*e Künstler*in sich antisemitisch äußert? Das Kollektiv? Also ...

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Tanz 7 2022
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Falk Schreiber

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