Die Hoffnungsträger

Manuel Liñán

Der moderne Flamencotanz hat viele Gesichter. Die Generation der in den 1970er-Jahren Geborenen hat einiges verändert und viele Türen geöffnet. Die jüngste Generation kann schon darauf aufbauen und kennt viele Tabus nur mehr vom Hörensagen. Es geht nicht darum zu provozieren, sondern darum, seine Freiheit zu leben.

Manuel Liñán stammt aus Granada, ist durch die traditionelle Schule gegangen und konnte sich erst später von dem Klischee befreien, wie ein Mann zu tanzen hat und wie nicht. Dabei gibt es kaum einen männlicheren Tänzer als ihn.

Aber während Frauen schon lange in Hosen tanzen konnten, war ein Tänzer in der Bata de Cola, dem für den Flamenco typischen Schleppenkleid, doch immer grenzwertig, und der Mantón ist noch immer ein durch und durch weibliches Attribut.

Dem setzte Manuel Liñán definitiv ein Ende. Er gilt als der neue Meister der Bata und reißt bei seinen Vorstellungen regelmäßig das Publikum von den Stühlen. Man ist nicht einmal mehr überrascht, so sehr hat sich der Anblick eingeprägt. In seinem neuen Stück «Reversible» stellt er die Genderfrage auf den Kopf. Einem aufsehenerregenden Pas de deux mit José Maldonado à la Jean Genet folgt eine Soleá mit Bata und Mantón, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Die Saison 2015/16, Seite 165
von Susanne Zellinger

Weitere Beiträge
Tänzer des Jahres

Schön sein kann jeder Tänzer, Hässlichkeit erfordert Mut. Der Australier treibt alles bis ans Limit und gibt deshalb auch ein Monster nach Maß für Liam Scarletts «Frankenstein» am Royal Ballet in London

Er hat einen feingliedrigen, fast femininen Körperbau, einen blassen Teint, dazu rotblondes Haar. Mit seiner hohen, feinen Stimme beantwortet er kultiviert und mit...

Die Hoffnungsträger

Wie hält man sich, wenn das Geld immer zu knapp ist, aber damit eine große Tänzerschar unterhalten werden soll? Wie behält man ein offenes Herz, wenn man immer wieder mit unterschiedlichen Menschen in extremen Lebenslagen zusammenarbeitet? Wie schafft man es, im Kopf wach zu bleiben, theoretisch interessiert, ohne deswegen gleich ödes Diskurstheater zu machen? Wenn...

Sidi Larbi Cherkaoui

Sidi Larbi Cherkaoui, gibt es eine Grenze, vor der Ihre Vorstellungskraft zeitbedingt kapitulieren würde, etwa wenn Sie wie jetzt gerade die Barockoper «Les Indes galantes» in München inszenieren?
Das ist alles immer eine Frage des Einfühlungsvermögens. Wenn Sie mit einem Charakter konfrontiert sind, der einen Sklaven hält, ist es schwierig, sich in ihn...