Die Hoffnungsträger
Neulich bin ich richtig überrascht worden. Die Vorstellung fand in einem leeren Klassenzimmer statt. Wo sonst die Lehrerin steht, spielte eine Frau am DJ-Pult. Die Zuschauer drückten sich an den Wänden entlang, als die mütterlicherseits aus Sri Lanka stammende Sara Mikolai mit verdecktem Gesicht und nacktem Rücken den Raum be-trat, um wie angekündigt ein Ritual zu vollziehen.
Die am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz in Berlin studierte Dame nahm uns die Parade ab, schaute streng in jedes Augenpaar.
Dann verschwand sie hinter einem Paravent, versprühte tröpfchenweise Wasser auf dem Boden. Was immer sie zum Puls vom DJ-Pult aus tat, es war nicht unbedingt fesselnd. Bis zu diesem ganz und gar unerwarteten Augenblick. Sie hatte sich in etwas hineingesteigert. Es traf sie eine Wut. Wie in einer einzigen Bewegung zerschlug sie die spärliche Einrichtung, riss die Bilder von der Wand, schmiss einen Tisch um, prügelte den Paravent zu Boden. Es war ein Wunder, dass die Umstehenden nicht zu Schaden kamen. Sie hätte am liebsten jeden hier windelweich geprügelt. Sie war nicht länger Herrin in ihrem Haus. Sie zerstörte es. Nur, weil die Frau am DJ-Pult den Finger vom Regler nahm und sich mutig ...
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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Die Saison 2015/16, Seite 166
von Arnd Wesemann
Mit «MDLSX» hat sich Motus auf die Fahnen geschrieben, eine bewusste, wohlüberlegte und authentische Antwort auf die Frage «Was bist du?» zu formulieren, die sich Silvia Calderoni ihr ganzes Leben lang – privat und auf der Bühne – hat anhören müssen. Die 34-jährige Performerin, Inspirationsquell und zentraler dramatischer Motor aller bisherigen größeren...
Der Reisepass ist voll. Also ab zum Bürgeramt, um einen vorübergehenden Reisepass zu beantragen. Am Wochenende geht es für mich und Niels Storm Robitzky, meinen Mentor, auf einen Battle in Sankt Petersburg. Im Bürgeramt stehen Sicherheitskräfte am Info-Schalter. Etwa 30 Menschen warten in einer Schlange, obwohl das Amt erst in 20 Minuten öffnet. Grenzen zu...
Grenzgänger. Zum Beispiel Yaguine Koita und Fodé Tounkara, 14 und 15 Jahre alt, geboren in Guinea, im Sommer 1999 umgekommen bei dem Versuch, als blinde Passagiere im Fahrwerk eines Flugzeugs nach Europa zu gelangen. Bei sich hatten die beiden Jungen aus Conakry einen handgeschriebenen Brief an «Exzellenzen, geehrte Damen und Herren, Verantwortliche von Europa»....
