Die Hoffnungsträger
Neulich bin ich richtig überrascht worden. Die Vorstellung fand in einem leeren Klassenzimmer statt. Wo sonst die Lehrerin steht, spielte eine Frau am DJ-Pult. Die Zuschauer drückten sich an den Wänden entlang, als die mütterlicherseits aus Sri Lanka stammende Sara Mikolai mit verdecktem Gesicht und nacktem Rücken den Raum be-trat, um wie angekündigt ein Ritual zu vollziehen.
Die am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz in Berlin studierte Dame nahm uns die Parade ab, schaute streng in jedes Augenpaar.
Dann verschwand sie hinter einem Paravent, versprühte tröpfchenweise Wasser auf dem Boden. Was immer sie zum Puls vom DJ-Pult aus tat, es war nicht unbedingt fesselnd. Bis zu diesem ganz und gar unerwarteten Augenblick. Sie hatte sich in etwas hineingesteigert. Es traf sie eine Wut. Wie in einer einzigen Bewegung zerschlug sie die spärliche Einrichtung, riss die Bilder von der Wand, schmiss einen Tisch um, prügelte den Paravent zu Boden. Es war ein Wunder, dass die Umstehenden nicht zu Schaden kamen. Sie hätte am liebsten jeden hier windelweich geprügelt. Sie war nicht länger Herrin in ihrem Haus. Sie zerstörte es. Nur, weil die Frau am DJ-Pult den Finger vom Regler nahm und sich mutig ...
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Tanz Jahrbuch 2016
Rubrik: Die Saison 2015/16, Seite 166
von Arnd Wesemann
Holger Bergmann steht an einem Zaun. Der umfriedet ein Stück Nichts: platten Boden, feines Geröll. «Schreiben Sie das nicht», sagt der Leiter des Festivals «Favoriten» dem Häuflein Journalisten, das ihn umringt. Denn das Festival soll im Herbst 2016 an genau dieser Stelle in Dortmund steigen und ringsum im Unionsviertel – «wir werden hier ein Loch reinschneiden.»
...
Sidi Larbi Cherkaoui, gibt es eine Grenze, vor der Ihre Vorstellungskraft zeitbedingt kapitulieren würde, etwa wenn Sie wie jetzt gerade die Barockoper «Les Indes galantes» in München inszenieren?
Das ist alles immer eine Frage des Einfühlungsvermögens. Wenn Sie mit einem Charakter konfrontiert sind, der einen Sklaven hält, ist es schwierig, sich in ihn...
Wie hält man sich, wenn das Geld immer zu knapp ist, aber damit eine große Tänzerschar unterhalten werden soll? Wie behält man ein offenes Herz, wenn man immer wieder mit unterschiedlichen Menschen in extremen Lebenslagen zusammenarbeitet? Wie schafft man es, im Kopf wach zu bleiben, theoretisch interessiert, ohne deswegen gleich ödes Diskurstheater zu machen? Wenn...
