Die Dramaturgen und der Tanz
Der Mann hat nicht schlecht gestaunt: Zum ersten Mal, so sagte es der Sozialwissenschaftler für Sport in Frankfurt/Main vor der ehrwürdigen, 1956 gegründeten Dramaturgischen Gesellschaft, zum ersten Mal überhaupt würden sich Theaterintellektuelle mit dem Objekt auseinandersetzen, das ein Theater erst zum Theater macht: dem menschlichen Körper. Das Thema des dramaturgischen Jahrestreffens in Hannover lautete zwar verdächtig holzschnittartig: «Körper – Repräsentation. Interaktion. Differenz».
Aber Amelie Mallmann, noch im Vorstand der Gesellschaft, war stolz darauf, endlich ein Thema aufgegriffen zu haben, das unter dem Begriff «Body Politics» tatsächlich das Theater betrifft. Schließlich wird auf der Bühne ständig gefragt: Wie umgehen mit dem fremden, dem anderen oder einem Körper, der Widerstand leistet, sich illegal benimmt oder als Grenzgänger zwischen den Geschlechtern, den Nationen oder gegen die Normen der Gesellschaft auftritt?
Robert Gugutzer ist kein Tanzvermittler, mehr der gemütliche Bayer, der gern Witterung aufnimmt: Was wollen die Dramaturgen von diesem Körper? Sie wollen das, was Dramaturgen immer wollen: politisch Position beziehen. Für sie ist der Körper im Theater ...
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Tanz April 2017
Rubrik: Menschen, Seite 32
von Arnd Wesemann
Clip des Monats: Babine Suze
heißt dieser preisgekrönte Film aus Kroatien, der von den Tränen einer alten Bergbäuerin erzählt, die ungebeugt ihr Leben nach dem Tod ihres Mannes weiterführt. Die schwarzweißen Bilder zeigen zu dramatischer Musik eine raue Bergwelt im Küs-tengebirge von Paklenica nahe der Stadt Zadar, ein schlichtes Steinhaus und die alte Frau, Marije...
Man hat seinen Sitzplatz noch nicht gefunden im Theater, da riecht es schon nach Provokation: beißender Tabakgeruch verpestet die Luft, der «Duft des Todes», wie es später heißt. Denn die fünf Grazien, die auf Jochen Rollers rotlichtgefluteter Bühne auf- und abschlendern, sich die Nylonstrümpfe hochrollen und die Handtäschchen schwenken wie Bordsteinschwalben aus...
Gastspielförderung: Tanzland
Die Kulturstiftung des Bundes legt ein neues Tanzförderprogramm auf: Feste und freie Kompanien sollen sich auf jeweils drei Jahre mit einem der 375 Häuser zusammentun, die hierzulande als reine Gastspielbetriebe firmieren. «Tanzland» heißt das Projekt, unterstützt werden Antragsteller mit maximal 100 000 Euro für die Kunst und noch...
