Die Botschafter
«Number Stations» sind Radiofrequenzen, auf denen per Zahlenreihenübertragung geheime Nachrichten versendet werden. Mossad, CIA, KGB und Stasi arbei(te)ten so. Heißt es. Man weiß es nicht gewiss. Entsprechend vage sind die Botschaften von Charles Linehans Choreografie. Schlimmster Verdacht: Vielleicht gibt es die Botschaften nicht, und alles ist Ablenkung. Was das für die fragmentierten Gruppenbilder auf der Bühne heißt? «Happy Days», glückliche Tage, kann zum Glück jeder dekodieren. Ob ironisch oder wörtlich.
Aber Greig Cooke, Barbara Motschiunik und Andreja Rauch sind zu apathisch. Ihre wachsende Leidenschaft basiert nur auf der Steigerungsdynamik der Musik (bearbeitet von Robert Merdzo, von dem Glockenspiel und Stimmengeklirr im ersten Teil stammen). Ist Glück eine Funktion der Anpassung? Winziger Hinweis auf individuelle Regung: Rauchs blonder Zopf. Die ganze Frau ist verhaltene Kraft, spartanische Genauigkeit – bis auf das fröhlich baumelnde Haar. Auf Linie mit Scherenarmen und Schwungbein, aber unzensierbar emotional. Und wär’s bloß Zufall, diese Untertitel verraten erst, welches Potenzial in der Dreiecksgeschichte steckt.
«Absence of clutter», so steht es auf seiner ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Seit die Stadt Köln sich vor acht Jahren Jochen Ulrichs Tanz-Forum entledigt hat, versuchte sie mit prominenten Gastspielen ihr Gesicht zu wahren – Profil war so nicht zu gewinnen. Nachdem viele Bemühungen um ein neues Ensemble scheiterten, ist nun mit Amanda Miller der Neuanfang gemacht: Ihr Ballett Freiburg Pretty Ugly heißt nun pretty ugly tanz köln. Der Empfang...
Eröffnung von La Biennale di Danza. Der Atem der Tänzer Nicole Peisl und Christopher Roman klingt wie das Röcheln eines sterbenden Dinosauriers. Die Trauer kriecht schriftlich über den eisernen Vorhang: «At the time political refugees in Germany were being burned alive in their homes by gangs of ultra-nationalists ...» Siebzig Gäste umstehen auf der Hinterbühne des...
Als im Herbst vergangenen Jahres der Kurator des deutschen Biennale-Pavillons in Venedig neben dem Maler und Bildhauer Thomas Scheibitz als zweiten Künstler Tino Sehgal nannte, da schauten Kenner der Tanzszene doch recht verwundert. War das nicht jener junge Choreograf, der zwei Jahre zuvor mit seinem Stück «Das 20. Jh.» aufgetreten war und splitternackt klassische...
