Die Bairishe Geisha
Wo ist er nur, der Schlüssel zu den glücklichen Ahnungen der Kindheit? Versteckt er sich ganz hinten im Schubladeneck? Oder lauert da noch ein verstaubter Albtraum, der seine frühere Wirtin und ihr Publikum gern noch einmal im Schlaf überfallen würde? Und wer ist das graue Fräulein hinter der Glasscheibe? Eine verwunschene Gouvernante oder gar ein verhextes Kind, das zur Puppenmutter der eigenen Fantasie geworden ist?
Seit gut zehn Jahren geistert ein Gespenst durch die Münchner Theaterlandschaft, ein bodenständig-exzentrisches, gutbürgerlich-bohemienhaftes Zwitterwesen mit
(bis dato) drei Gesichtern. Zwei von ihnen, Judith Huber und Marianne Kirch (umzugsbedingt seit Kurzem nicht mehr dabei), tragen souverän die rotlippige Blässe und den pechschwarzen Haarhelm der japanischen Kunstdienstleisterin zur Schau, dazu stilechte Seidenkimonos von Detlev Diehm, während die Dritte im Bunde, Eva Löbau, als Übermama und patente Managerin mit mausgrauer Perücke und Kostüm im Hintergrund dezent die Peitsche schwingt und ihre beiden Paradiesvögel zur Arbeit antreibt.
Wie die konkret aussieht, ist grundsätzlich unberechenbar und schwer zu beschreiben, ist doch «Die Bairishe Geisha» nur zum Teil ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Soft Cut
Sabine Glenz’ Bewegungen sind klar, minimalistisch und genau auf den ersten Blick. Von schlichten Schauwerten lässt sich die Münchner Choreografin und Tänzerin nie verführen. Beobachtet man die spannungsvoll verfremdeten Alltagsges-ten mit ihren scheinbar flüchtigen Abweichungen länger, scheint der Tanz – scheinen die Körper in der Tat den Aggregatzustand...
Pascal Touzeau übernimmt im Oktober die Nachfolge von Martin Schläpfer am ballettmainz. Der Forsythe-Schüler macht zum Einstand mit seinem damaligen Kollegen Jacopo Godani gemeinsame Sache. Auch Forsythes «Quintett» kommt mit ins Repertoire. Wie weise ist das denn, im Nachbarort von Frankfurt eine Forsythe-Adepten-Kompanie zu etablieren?
Joachim Schlömer,...
«Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit.» Das uralte Zitat von Karl Valentin liegt, in deutscher Sprache, auf dem Schreibtisch von Anne Teresa De Keersmaeker. «It’s a present from a friend», lächelt sie. Ganz offensichtlich von jemandem, der ihre Arbeit gut kennt. Denn nur auf wenige Künstler mag Valentins Bonmot so zutreffen wie auf die Gründerin der...
