Diana Vishneva
Die Zeit der Selbstisolation ist so gut wie vorbei, und wir können zurückblicken und analysieren, was uns da eigentlich widerfahren ist. In einem Wimpernschlag wurden die Pläne unserer auf Tage und Jahre hinaus durchgetakteten, hochtechnologisierten modernen Welt durchkreuzt. Prozesse wurden gestoppt. Wir fanden uns allein, zurückgeworfen auf unsere Gedanken, in einer neuen Wirklichkeit wieder. Ironischerweise rückte uns die Pandemie, auch wenn sie Kontaktsperren nach sich zog, zusammen – im Kampf gegen das Virus.
Wir spürten, wie fragil wir sind und wie wertvoll jedes einzelne Leben ist. Manche fühlten sich ohne ihre Alltagsroutine verloren. Kultur wurde zur Kraft, die Menschen vereinte und das Durchhalten während der Quarantäne erleichterte. Die Kultur – in all ihren Formen – stellte ihre humanitäre, soziale und inspirierende Stärke unter Beweis.
Im Ballett begannen wir unsere Gefühle, Gedanken und Sorgen 24/7 untereinander auszutauschen – mittels Live-Streams und sozialen Medien. Die neue Realität ließ das Bedürfnis aufkommen, einander zu unterstützen und uns aufs Sprechen zu verlegen, wo wir, als Tänzerinnen und Tänzer, doch üblicherweise schweigen. So begann ich über meinen ...
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Tanz Jahrbuch 2020
Rubrik: Jahrbuch 2020, Seite 88
von Diana Vishneva
New York, einer der Corona-Hotspots in den USA, ist seit Langem die nationale Metropole des Tanzes. Da die Kritikerin infolge der Pandemie die Stadt auch nicht verlassen konnte, hier ein chronologischer Überblick über das Geschehen zwischen Oktober 2019 und März 2020, als die Welt zusammenbrach.
«Bzzzz» von Caleb Teicher mit dem Beatbox-Genie Chris Celiz,...
Mit Sicherheit kommt es darauf an, zu welchem Zeitpunkt in der künstlerischen Laufbahn einen der Shutdown erwischt hat. Mich hat er nach 25 Jahren Freelancing erwischt, just in einem Moment, in dem ich mich mit Top-Kompliz*innen etwas traue, nämlich große Gemeinschaften von Künstler*innen einzuladen für choreografisch-musikalische Fresken auf der Bühne oder, wie in...
Wie in so vielen seiner Stücke spiegelt Akram Khan unsere Gegenwart in einem uralten Mythos, und wie so oft mahnt er uns, die alten Weisheiten ernst zu nehmen. Dieses Mal fällt seine Mahnung so düster und hoffnungslos aus, als hätte der Londoner Choreograf die große Verzweiflung des Jahres 2020 vorausgeahnt. «Outwitting the Devil» (tanz 11/19) wurde im Juli 2019...
