Der Tutu
Nichts symbolisiert das klassische Ballett mehr als das Kostüm einer Sylphide, das zum ersten Mal eine gewisse Marie Taglioni trug, als sie in Paris 1832 eine in Schottland beheimatete, geflügelte Waldfee darstellte. Die Choreografie stammte von ihrem Vater, Filippo Taglioni, dessen Begabung, ein Exzentriker zu sein, dafür spricht, dass die Idee mit dem aus mehrlagigem Seidentüll gefalteten Rock durchaus von ihm stammt. Der Entwurf selbst verdankt sich dem befreundeten Maler Eugène Lami.
Nun war kaum üblich, dass ein junges Mädchen auf der Bühne seine Beine zeigte, zumal es auf Spitze tanzte, der Tutu also quasi wie ein Deckel auf den zwei verlängerten Beinen wirkte und, als Nebeneffekt, den Tanz der Beine säuberlich vom Tanz der Arme trennte.
Die Revolution schlug aber ein, auch in der Mode. Seither hungern die Frauen sich gern aufs Maß einer «Sylphide» herunter, wie sich damals eine Modezeitschrift nannte. Von nun an erschien der Tutu in immer neuen Fortsetzungen, in «Giselle» (länger und keuscher) und in «Schwanensee» (wieder kürzer, mehr abstehend, dafür auch in Schwarz). Egal, wie bigott die Zeitgenossen sich zum Tutu verhielten: Die Panniers, die bis dahin üblichen alten ...
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