Der Tutu

Von der Sylphide zum Prêt-à-porter

Tanz - Logo

Nichts symbolisiert das klassische Ballett mehr als das Kostüm einer Sylphide, das zum ersten Mal eine gewisse Marie Taglioni trug, als sie in Paris 1832 eine in Schottland beheimatete, geflügelte Waldfee darstellte. Die Choreografie stammte von ihrem Vater, Filippo Taglioni, dessen Begabung, ein Exzentriker zu sein, dafür spricht, dass die Idee mit dem aus mehrlagigem Seidentüll gefalteten Rock durchaus von ihm stammt. Der Entwurf selbst verdankt sich dem befreundeten Maler Eugène Lami.

Nun war kaum üblich, dass ein junges Mädchen auf der Bühne seine Beine zeigte, zumal es auf Spitze tanzte, der Tutu also quasi wie ein Deckel auf den zwei verlängerten Beinen wirkte und, als Nebeneffekt, den Tanz der Beine säuberlich vom Tanz der Arme trennte.
Die Revolution schlug aber ein, auch in der Mode. Seither hungern die Frauen sich gern aufs Maß einer «Sylphide» herunter, wie sich damals eine Modezeitschrift nannte. Von nun an erschien der Tutu in immer neuen Fortsetzungen, in «Giselle» (länger und keuscher) und in «Schwanensee» (wieder kürzer, mehr abstehend, dafür auch in Schwarz). Egal, wie bigott die Zeitgenossen sich zum Tutu verhielten: Die Panniers, die bis dahin üblichen alten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Jahrbuch 2009
Rubrik: Schwerpunkt, Seite 72
von

Vergriffen
Weitere Beiträge
Madrid

Ich hatte dieses Jahr das Vergnügen, bei den größten spanischen Festivals einige wahrhaft inspirierende junge Tänzer und Choreografen zu sehen. In Madrid beim Escena Contemporanea Festival 2008 trat die Cía de Dança Membros auf, eine herausragende Gruppe junger Männer aus Macae, Brasilien, die in «Raio X» HipHop und zeitgenössischen Tanz zu einer brutalen Kritik an...

Kettly Noël

Kettly Noël bezeichnet sich gern als «schwarze Choreo­grafin, die in Afrika arbeitet» – die Differenzierung ist ihr wichtig, denn sie kommt aus Haiti, nicht aus Mali, wo sie heute wohnt – nach Zwischenstationen in Paris und Benin. In den «besseren Vierteln» der Hauptstadt Bamako hat sie ein schönes Haus mit einem Theater im Garten. Dort lebt und arbeitet sie, und...

James Forbat

Das English National Ballet hat soeben seinen besten Tänzer, einen ultimativen premier danseur noble, von der Gehaltsliste streichen müssen: Thomas Edur wurde zum künstlerischen Leiter des Nationalopernballetts von Estland in Tallinn ernannt. Mit solch großen Tänzern aus aller Welt konnte sich das English National Ballet schon immer rühmen, aber jetzt wächst eine...