Cayetano Soto
Höchste Zeit, dass dieser Choreograf seine überbordenden Ideen, seine szenischen Verrücktheiten, Bewegungsfantasien und Multimedia-Experimente endlich dosiert und auf ein abendfüllendes Stück verteilt.
Cayetano Soto ist ein Schnelldenker mit einem Problem: Er kann seine Fantasien kaum disziplinieren.
Bislang hat der 1975 geborene Spanier mit kürzeren Produktionen brilliert, denen die Begeisterung für Stilrichtungen jeglicher Couleur anzumerken war: Neoklassische Elevation und moderne Erdung, Tanztheater-Effekte und zeitgenössische Fragmentierung – egal, alles darf in seine Stücke. Hauptsache, es ist schnell und hat Witz. Nach einer Ausbildung in Barcelona und Den Haag ging er zum balletttheater München, gab dort 2002 sein Debüt als Choreograf. Ein gutes Dutzend Stücke sind seitdem entstanden, viele davon verblüfften. Etwa sein wunderbares Stück «Canela fina». Eine optische, aber auch olfaktorische Betörung.
Ein Duft liegt in der Luft – es ist Zimt, spanisch eben «Canela», der den Bühnenboden bedeckt und bei jeder Bewegung aufwirbelt. Die Tänzer agieren im duftenden Sand so leicht und unberechenbar, als wären auch sie Feinpartikel der Zimtwolken – und kämpfen doch gegen die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wo ist die echte «Giselle»? 1841 wurde das Ballett in Paris uraufgeführt und erfuhr seine erste Veränderung schon ein Jahr später in St. Petersburg. Dort wurde es mehrfach «rekonstruiert», und es geschah, was den Leiter des Deutschen Tanzarchivs Köln, Frank-Manuel Peter, nicht wundert, dass die Choreografie der «Giselle» dem Geschmack der Zeit angepasst wurde....
Auf der Bühne stellen Sie ja nicht gerade die geflügelten Waldfeen dar, sondern sind von Kopf bis Fuß in Folie eingewickelt. Warum?
François Chaignaud: Es ging uns anfänglich auch gar nicht darum, ein Stück über die Sylphiden zu machen. Der Titel ergab sich während der Arbeit. Der Ausgangspunkt war eine Entdeckung, die uns faszinierte. Wir begannen gerade eine...
Kettly Noël bezeichnet sich gern als «schwarze Choreografin, die in Afrika arbeitet» – die Differenzierung ist ihr wichtig, denn sie kommt aus Haiti, nicht aus Mali, wo sie heute wohnt – nach Zwischenstationen in Paris und Benin. In den «besseren Vierteln» der Hauptstadt Bamako hat sie ein schönes Haus mit einem Theater im Garten. Dort lebt und arbeitet sie, und...
