Der Spitzenschuh
Der Spitzenschuh ist ein Synonym für das klassische Ballett. Ohne dieses äußerlich zierlich anmutende, in schimmerndem rosa Satin lieblich die eigene Kraft und Komplexität verleugnende Hochleistungswerkzeug wäre nämlich der Spitzentanz unmöglich, mithin die Technik, deren Optik für die Einordnung des Tanzes in die Rubrik «Ballett» entscheidend ist. Ballett erkennt man am gestreckten Körper, von der Fußspitze bis zum Scheitel; dem himmelwärts Streben der Tänzerin in Arabesquen und Pirouetten. Im Zehenstand verliert der Tanz Bodenhaftung und gewinnt Transzendenz.
Sein Lebenselixier durch die Zeiten.
Nicht von ungefähr entspricht das den Idealen der Romantik, deren widerstandsfähigstes Geschöpf noch heute die klassische Ballerina ist – gleichermaßen unzeitgemäß wie zeitlos. Erhalten werden soll ihr ätherisches Erscheinungsbild, sie ist Wassernymphe, Elfe, Sylphide und verwunschenes Schwanenmädchen, Wili, Fee und Schattenwesen. Aber im 21. Jahrhundert: keine Esoterik ohne Science-Fiction. Um die feine Illusion des Übernatürlichen athletisch zu perfektionieren, kommen zu neuesten neurowissenschaftlich fundierten Trainingsmethoden auch technisch hochausgefeilte Arbeitsinstrumente. Der ...
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Politisch und ästhetisch unabhängig, scheint die Kunst nur der Kunst zuliebe zu leuchten. Aber Künstler sollten ihr Recht wahrnehmen, ihre klaren Aussagen zu formulieren und ihre Arbeiten als ein Forum zu benutzen, um Alternativen zu denken, um ein Bewusstsein zu schaffen für das Andere, für andere Lebenskonzepte und Kulturen. Dass der Tanz dabei ohne viel Worte...
Kettly Noël bezeichnet sich gern als «schwarze Choreografin, die in Afrika arbeitet» – die Differenzierung ist ihr wichtig, denn sie kommt aus Haiti, nicht aus Mali, wo sie heute wohnt – nach Zwischenstationen in Paris und Benin. In den «besseren Vierteln» der Hauptstadt Bamako hat sie ein schönes Haus mit einem Theater im Garten. Dort lebt und arbeitet sie, und...
Wer die siebzehn Shaolin-Mönche aus Henan in China gesehen hat, vergisst sie nicht so schnell. Da sitzt vorn der 12-jährige Kung-Fu-Novize Dong Dong mit verschränkten Beinen gegenüber einem Mastermind, dem belgischen Choreografen Sidi Larbi Cherkaoui. Beide beugen sich über das Modell einer Bühne, die der Turner-Preisträger Antony Gormley entworfen hat: Hell und...
