Der Spitzenschuh
Der Spitzenschuh ist ein Synonym für das klassische Ballett. Ohne dieses äußerlich zierlich anmutende, in schimmerndem rosa Satin lieblich die eigene Kraft und Komplexität verleugnende Hochleistungswerkzeug wäre nämlich der Spitzentanz unmöglich, mithin die Technik, deren Optik für die Einordnung des Tanzes in die Rubrik «Ballett» entscheidend ist. Ballett erkennt man am gestreckten Körper, von der Fußspitze bis zum Scheitel; dem himmelwärts Streben der Tänzerin in Arabesquen und Pirouetten. Im Zehenstand verliert der Tanz Bodenhaftung und gewinnt Transzendenz.
Sein Lebenselixier durch die Zeiten.
Nicht von ungefähr entspricht das den Idealen der Romantik, deren widerstandsfähigstes Geschöpf noch heute die klassische Ballerina ist – gleichermaßen unzeitgemäß wie zeitlos. Erhalten werden soll ihr ätherisches Erscheinungsbild, sie ist Wassernymphe, Elfe, Sylphide und verwunschenes Schwanenmädchen, Wili, Fee und Schattenwesen. Aber im 21. Jahrhundert: keine Esoterik ohne Science-Fiction. Um die feine Illusion des Übernatürlichen athletisch zu perfektionieren, kommen zu neuesten neurowissenschaftlich fundierten Trainingsmethoden auch technisch hochausgefeilte Arbeitsinstrumente. Der ...
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Ihr Geburtsjahr 1886 sieht zwei romantische Fixsterne verglühen. Im Starnberger See ertrinkt unter rätselhaften Umständen der Märchenkönig Ludwig II., in Bayreuth schließt Franz Liszt, der Schwiegervater Ri-chard Wagners, für immer die Augen. Derweil spitzt ein ehemaliger Wagner-Fanatiker schon die Feder zum Sockelstoß: «Ist Wagner überhaupt ein Mensch? Ist er...
Kettly Noël bezeichnet sich gern als «schwarze Choreografin, die in Afrika arbeitet» – die Differenzierung ist ihr wichtig, denn sie kommt aus Haiti, nicht aus Mali, wo sie heute wohnt – nach Zwischenstationen in Paris und Benin. In den «besseren Vierteln» der Hauptstadt Bamako hat sie ein schönes Haus mit einem Theater im Garten. Dort lebt und arbeitet sie, und...
Diesem Anfang wohnt wahrlich ein Zauber inne: Wenn Martin Schläpfer zur neuen Spielzeit die Ballettdirektion der Deutschen Oper am Rhein übernimmt, verbinden sich mit seiner Person Hoffnung auf ästhetische Neuerung und internationale Wieder-Beachtung. Sicher, sein Vorgänger Youri Vàmos hat in den vergangenen 13 Jahren das Haus gefüllt und sein Pub-likum erfreut....
