Der Schwanensee

Wie lässt sich heute der Klassiker aller Ballettklassiker noch interpretieren? Was hat er den Choreografen der Gegenwart zu sagen? Hartmut Regitz sah die Neufassungen in Dresden, Helsinki und Karlsruhe.

Tanz - Logo

Schwer zu sagen, was Choreografen immer wieder dazu treibt, sich mit «Schwanensee» zu beschäftigen.

Ist es der Mythos, der die Menschwerdung als Metamorphose erklärt? Ist es die Geschichte eines Stücks, das am Anfang zum Scheitern verurteilt schien? Ist es die Musik Tschaikowskys, die dem Ballett eine sinfonische Größenordnung erlaubt, die es zuvor nicht besessen hat? Oder ist es doch wieder nur der durchschlagende Erfolg eines eskapistischen Sujets, das selbst dann noch seine zufriedenen Zuschauer findet, wenn die beteiligten Tänzer lahmen? An Versuchen, seine Wirkungskraft zu erklären, hat es nicht gefehlt. Dennoch ist nie so recht klar, was die Künstler an einem «Schwanensee» finden, den alle für so meisterlich halten, bei dem aber jeder Bearbeiter den Ehrgeiz entwickelt, das Werk noch logischer, vielschichtiger oder tiefgründiger erscheinen zu lassen als die Versionen zuvor.

Ein Beispiel: Noch während der Ouvertüre öffnet sich in Helsinki der Vorhang und gibt den Blick frei auf eine beschneite Waldlichtung, die von Caspar David Friedrich stammen könnte. Tatsächlich hat Friedrich einen «Klosterfriedhof im Schnee» um 1819 ins Bild gebannt, auf dem sich offenbar auch das Grab von ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz Januar 2010
Rubrik: Repertoire, Seite 26
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Die Highlights im Januar

Marco Goecke ist in Holland bekannt wie ein bunter Hund. Dabei choreografiert der Mann aus Wuppertal am liebsten schwarz in schwarz, wie man an vielen Arbeiten für Scapino Ballet Rotterdam (und «Nichts» fürs NDT) hat sehen können. Den «Notenkraker», mit dem das Ensemble derzeit durch die Niederlande tourt, nennt er sogar ausdrücklich ein «Ballet noir », obwohl...

Ausgeschrieben

Seit 2007 siedelt das Tanzlabor_21 ein Projektensemble am Frankfurter Mousonturm an. Die künstlerischen Teams setzen sich in wechselnder Besetzung aus Studienabsolventen aus Frankfurt und Gießen zusammen, ergänzt durch externe Tänzer. Ziel des Projektensembles ist die Stärkung des Nachwuchses in der Region. Daher richtet sich diese Ausschreibung explizit an...

Das liebe Geld

Weihnachten ist vorbei, die Menschheit ist beschenkt. Ihre Hand aufs versteinerte Herz verrät: Nächstes Jahr werde ich so was nicht noch einmal schenken. Und selber werde ich mir auch nichts mehr wünschen. Für sagenhafte 25 Milliarden Euro oder pro Kopf über 300 Euro soll hierzulande Zeug unter den Baum gelegt worden sein, das keiner will. Dabei wäre mit 25...