Der Hintern
Öffnungen, dringend gesucht! In welche Richtung lässt sich der Tanz heute entwickeln? Da wird so viel zurückgeblickt, rekonstruiert oder in sich hi-neingeschaut. Was spielt sich in mir ab? Was spüre ich? Fragen, die nur die Tänzer selbst beantworten können. Wie auch ließe sich die Antwort, falls gefunden, dem Zuschauer vermitteln? Das Körperinnere des Tänzers bleibt mysteriös. Nichts ist verifizierbar. Auf der Suche nach neuen Ufern wird sogar denkbar, unsichtbare Introspektion und Elektronik zu koppeln.
Das Ergebnis wären Tonfolgen oder Bildwelten, gesteuert von Hirnströmen, Blutdruck oder Muskelspannung des Tänzers. Aber welchen Fortschritt würde es bringen? Was drinnen vorgeht, bleibt unergründlich. Der Zuschauer wäre ja schon froh, wenn er selbst wüsste, was er gerade empfindet.
Trotzdem. Nichts wird heute so verzweifelt gesucht wie Empfindungen. In einer Gesellschaft, die den Menschen immer schematischer formatiert, wird die Ersatzhandlung immer wichtiger. Unbewusst bis unterschwellig empfindet sich der Rund-um-die-Uhr-Konsument immer weniger als lebendes, selbstbestimmtes Subjekt. Umso mehr sucht er in der Freizeit für einen Augenblick die Nähe des Todes, zappt von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
- Alle tanz-Artikel online lesen
- Zugang zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von tanz
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wann immer sich in der neuen «Giselle» des Dresden SemperOper Ballett etwas Entscheidendes tut, lässt David Dawson Blumen sprechen. Mit Kirschblüten überhäuft Albrecht seine Geliebte im ersten Pas de deux, als wolle er so ihre fragile Schönheit fassen. Blutrote Blätter «beflecken» Giselle auch während der Wahnsinnszene und deuten auf einen frühen Tod. Am Ende des...
Matthäus-Passion
«Für mich war es sehr interessant, die Entwicklung von Lloyd Riggins in der Christus-Rolle zu verfolgen. Lloyd ist ein subtiler Tänzer und Schauspieler und würde nie etwas vormachen, was er nicht empfin-det. In den letzten Jahren hat er den Christus öfter verkörpert. Durch die Erfahrungen mit der Rolle fand er zur menschlichen Seite der Figur....
«Schauen Sie, das Centre Pompidou hat meinen Rücken auf dem Plakat. Sie hätten ja auch einen anderen Bildausschnitt aus ‘Boléro variations’ wählen können, nur mit konventionellen Rücken», sagt Raimund Hoghe in Blickweite seines Auftrittsorts in Paris. Der Buckel als Blickfang, attraktiver als glatte, straffe Adonishaut? «Der Körper als Landschaft!»
Raimund Hoghe...
