Der Bauch

Felix Ruckert hat so ein Bauchgefühl. Der Tänzer und sein Mittelpunkt – wie hart soll er etwas trainieren, das im Tanz doch gar keine Rolle spielt? Sein Zentrum, sein Herkunftsort, sein Speckrollenlager ...

Tanz - Logo

Schon seit Tagen keinen Satz geschrieben, mir wird ganz flau, wenn ich nur daran denke. Er grimmt. Und ich kriege plötzlich Hunger. Na gut. Es geht los. Direkt aus den Eingeweiden. Voll unter die Gürtellinie.
 
Der Bauch. Rund oder flach? Der kleine Globus. Fröhliche Wölbung. Mächtiges Fleischgebirge. Oder eine Ebene? Speckfreie Dürrezone? Kinderteller? Kugel oder Scheibe? Eine Frage der Ideologie, die nur auf dem Scheiterhaufen entschieden werden kann.



Ist er strukturiert durch wellenfömige Muskeln?  Sixpacks? Männliche Zitzenbatterien als Ersatz für fehlende Brüste? Sexy, aber aufwändig in der Konstruktion. Künstliche Felsen im schwammigen Sand. Wackelige Brücken im Sumpfgebiet. Vergänglich. Verderblich.
 
Die Körpermitte. Immer eine sehr persönliche Landschaft, ständig in Veränderung. Sich dehnend und weitend je nach Witterung. Sich hebend und senkend im Rhythmus der Gezeiten. Im Untergrund Hohlräume, Kavernen, unterirdische Kanäle, Einbrüche. Seltsames Gluckern, Glucksen und Knarren, das aus der Tiefe dringt. Der Boden ist weich und lädt zum Rasten ein. Dominiert wird das Gelände durch eine absurde Vertiefung etwa in der Mitte. Mal flache Pfütze, mal Höhlchen, mal tiefe Grube, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz August/September 2008
Rubrik: Tänzer in Teilen, Seite 28
von Felix Ruckert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Das Gesicht

Auf der Bühne ist der nur handgroße Kopf eine Winzigkeit. Erst vor der Kamera wird das Gesicht groß und sprechend. Eine Rolle spielt das Gesicht auf der Bühne nur dann, wenn es spricht. Ein Tänzer, der den Mund hält, trägt sein Gesicht zur Zierde. Er muss schon lächeln, seine Zahnreihen freigeben, eine Grimasse schnitzen, damit die Krone des Körpers überhaupt...

Irina Baronova

Irina Baronova war zwölf, als Georges Balanchine sie 1921 für Offenbachs «Orpheus in der Unterwelt» als Tänzerin engagierte. Neben Tamara Toumanova und Tatiana Riabouchinska galt sie als eine der drei baby ballerinas der Ballets russes. Léonide Massine und Michail Fokine arbeiteten mit ihr. Ab 1932 tourte sie mit den Ballets Russes de Monte-Carlo und hängte 1940...

Was denkt Roberto Casarotto

I have a simple working hypothesis: Promoting young work is good. It is less simple, though, to define what actually constitutes young work. Within the Anticorpi XL Network (an Italian network created by organisers of eight Italian regions to support young independent dance and performance artists) we consider “young” all those who have been choreographing for less...