Das Bild und seine Geschichte
Zentauren, die gibt’s doch nur in der Sage, oder? Im Leben, da sind sie so selten wie Nixen und Sirenen. Wer lebende Zentauren sehen will, muss ins Theater gehen. Aber selbst da entspringt die bisher einzige wahrhaft zentaurische Erscheinung einem Trugbild. Weniger als ein halbes Pferd ist zu sehen. Aus dem Dunkel schreitet es rückwärts, einen Schritt weit ins Licht. Aus seiner blütenweißen Kruppe erwächst ein menschlicher Rücken. Eine Missbildung? Mitnichten! Zentauren gehören nicht länger der Sage an. Heute sind sie Kunstwerke, und dieses hier wirkt wie in Öl gemalt.
Da schwingt ein Hauch von Chagall mit, von Poussin und von Butoh. Die Reinheit spiegelt sich in einer schwarzen Ölpfütze, der Hochglanz ist Illusion. Ein stummer Schrei erfüllt den Raum, der Oberkörper krümmt sich, als fiele er vom Kreuz.
Verantwortlich für die Wandlung des Zentaurenbilds von wild in Bild sind Camille und Manolo aus Marseille. Ihre Vornamen sind ihre Künstlernamen. Damit stellen sie sich ihren Pferden gleich, denn auch sie tragen keine Familiennamen. Nuno ist ein Pferd oder besser: Manolos Unterleib in der Christus-Szene. Alles im Leben von Camille und Manolo dreht sich um diese Symbiose zwischen ...
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