Colmar, Straßburg: Bruno Bouché, Kurt Jooss «Spectres d’europe»

Tanz - Logo

Die Glühwürmchen knipsen die Lampen an – auch die im eigenen Kopf: Leuchtkäfer gelten in vielen Kulturen als die Seelen der Verstorbenen. Ein schöner Gedanke, dass die Leuchtkäfer in der in Mulhouse uraufgeführten Choreografie «Fireflies» von Bruno Bouché beim Ballet de l’Opéra National du Rhin die Seelen jener Soldaten sein könnten, die in dem an diesem Abend ebenfalls getanzten Antikriegsballett «Der grüne Tisch» von Kurt Jooss im expressionistischen Totentanz ihr Leben lassen.

 

Der Abend «Spectres d’Europe» ist ein ambitioniertes Gesamtkunstwerk aus Tanz, Text und Musik. Er beginnt beim Einlass mit einer Installation frei herumgeisternder Textfragmente aus Dantes «Divina Commedia», einem Pasolini-Brief und dem Flüchtlingsfilm «Des Spectres hantent l’Europe» von Maria Kourkouta und Niki Giannari. Ein leuchtendes Bildzitat aus Pasolinis Film «Geschichte einer Papierblume» wird von einem Tänzer zweimal im Verlauf des Stückes durch die Diagonale des Bühnenraums getragen. Eine Frau bewegt sich wie auf der Flucht, schaut ängstlich in den Orchestergraben und wird von zwei Tänzern zurückgehalten. Die Arme der Tänzer sind als horizontale Linien weit ausgestreckt, als wollten sie sich ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von tanz? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle tanz-Artikel online lesen
  • Zugang zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von tanz

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Tanz November 2018
Rubrik: Kritik, Seite 38
von Martina Wohlthat

Weitere Beiträge
Cottbus: Torsten Händler «Alice im Wunderland»

Es gibt Ballettensembles, die gibt’s eigentlich gar nicht. 1997 hat der Brandenburgische Kulturminister Steffen Reiche am Staatstheater Cottbus die Tanzsparte geradezu handstreichartig weggespart. Aber ein paar der Tänzer, als «Edelstatisten» dem Musiktheater zugeordnet, ignorierten einfach ihre Abschaffung und entwickelten sich erst unter Leitung von Michael Apel,...

Der zeitlose Tänzer: Jacques Alberca

Auch Tänzer werden älter. Es fällt nur selten auf, weil sie in der Regel prompt durch jüngere Kollegen ersetzt werden. Doch wer sagt, dass alle Tänzer jung sein müssen? Tanz ist kein Sport, sondern Kunst. Und die kennt kein Alter. Eigentlich. «Die Senioren hören mit dem Tanzen ohnehin nicht auf. Sie tanzen im Kopf, sie unterrichten, oder sie tanzen am Strand», sagt...

Impressum 11/2018

tanz
Zeitschrift für Ballett, Tanz und Performance

Herausgeber 
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

Redaktion  
Hartmut Regitz, Dorion Weickmann, Arnd Wesemann 
Mitarbeit: Sofie Goblirsch, Marc Staudacher
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin 
Tel +49 (0)-30-254495-20, Fax -12 
redaktion@tanz-zeitschrift.de
www.tanz-zeitschrift.de

Gestaltung & Bildredaktion 
Marina Dafova

Anzei...