Christophe Wavelet
Christoph Wavelet, 38-jährig, Journalist, Essayist und ehemals Tänzer, darf heute definieren, was neue Kunstformen sind. In Saint-Nazaire, wo in der südlichen Bretagne die Loire in den Atlantik mündet, wird er einen neu eröffneten Kulturstützpunkt in internationale Gewässer führen. Der Lieu International de Formes Emergentes heißt abgekürzt ganz einfach LIFE. Kein Ort, in dem der Tanz sich verkriecht.
Wavelet genießt freie Hand, hier in Zusammenarbeit mit dem Tanzquartier in Wien, dem Kaaiitheater in Brüssel und Culturgest in Lissabon alle Kunstsprachen zu kultivieren und miteinander zu konfrontieren. Eine Utopie. Keiner weiß, wie’s laufen soll mit einem Budget von gerade mal einer Million Euro. Nur die Stadt zahlt für ihr neues Flaggschiff, und das ausgerechnet in einem 1941-1943 von den Nazis gebauten U-Boot-Bunker. 295 Meter lang, 130 Meter breit, elf Meter hoch. Wavelet bekommt von dieser Masse immerhin 2000 Quadratmeter, die trotz der Umwidmung alle Spuren ihrer dunklen Vergangenheit behalten. Eine Glaskuppel, ähnlich wie auf dem Reichstag, erhellt das Innere. Zufall? Vielleicht, aber der Architekt des LIFE heißt Finn Geipel und lebt ganz zufällig in Berlin.
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