"Big Bang Love"
Neu auf Dvd: Tänzer-Kamikaze. Die zwei haben sich in Position gebracht, die Initiation kann beginnen. Der Greise weist den Jungen in die Geheimnisse der Männlichkeit ein, gibt mit angsteinflößendem Pathos schamanistische Weisheiten von sich. Der Junge steht mit nacktem Oberkörper da, zittert. Sein knochiger Leib glänzt. Der ihn umgebende Raum ist vollkommen rot: Liebe und Tod signalisierend – warnend, verlockend, amorph, irrational. Dann eine Tanzszene, in elektronisch-perkussiver Pracht. Archaisch und futuristisch.
Er windet sich, zieht die Beine an die Brust, balanciert in Kranich-Pose. Mit Kampfkunst-ähnlichen Schritten verschafft er sich Raum, den Oberkörper verziert mit asiatischen Tattoos. Der Raum ist vollkommen weiß: der visuelle Speicher für organische und anorganische Materie. Eis. Wie Spuren im Schnee, oder Spuren in der menschlichen Psyche. Wie der japanische Regisseur Takashi Miike in seinem neusten Film Big Bang Love, Juvenile A erzählt, hallen Initiationsritus und Tanzszene noch lang nach. Im Gefängnis, wo die Szene wirklich spielt und wo es so rituell zugeht wie der Alltag im Zuchthaus durchchoreografiert ist. Die Askese der Inhaftierten erinnert an Zustände in ...
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