Daniela Kurz: «Les Enfants terribles»
Auch nach dem Leben gibt es ein Leben. Gérard, gebeugt unter der Last des Alters, erinnert sich seiner Jugend: Elisabeth, die er bis zur Selbstverleugnung verehrt, und Paul, der geliebte Freund: Bruder und Schwester, die selbst im Tod nicht voneinander lassen können, geschweige denn im Leben, dem sie selbst ein Ende setzen.
Hannes Seebauer erzählt, und von der minimalistischen Musik des 70-jährigen Philip Glass reanimiert, kehren die «Kinder der Nacht» (nach Jean Cocteaus Roman Les enfants terribles) wie Orpheus und Eurydike zurück auf die Bühne ihres Lebens – immer begleitet von einer achtköpfigen Schar schattenhafter Tänzer, die wie Erinnyen in einer griechischen Tragödie auf jeden Fehltritt der beiden Protagonisten lauern.
Glass hat sein Stück eine Dance Opera genannt, und Daniela Kurz, wie kaum eine andere Regisseurin in Deutschland mit seinem Werk vertraut, macht daraus am Staatstheater Nürnberg ein Traumspiel, bei dem alles stimmt: die Positionierung der Sänger, das choreografische Kontinuum, das Klavier-Arrangement, das im Schauspielhaus wie eine Begleitmusik zu einer Lichtspielszene wirkt – und das hochästhetische Ambiente, das die Hermetik der Geschichte für eine gute ...
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