Choreografin des Jahres: Sharon Eyal
Sharon Eyals unverwechselbarer Stil ist ein Markenzeichen. Er zeichnet sich durch rhythmische Schritte, pulsierende Ensembles sowie eine Vorliebe für Struktur und Symmetrie in Vollendung aus: Hypnotische Klangwelten und schnörkellose Bühnenbilder unterstreichen die dramatische Dimension der Körper. In Summe entsteht daraus eine einzigartige künstlerische Welt. Innerhalb dieses Settings erfrischt die israelische Choreografin, die seit langer Zeit in Frankreich lebt, mit jeder neuen Produktion auch den eigenen Blick.
Sie lässt sich dabei nicht von theoretisch-abstrakten Themen leiten, sondern von gelebter Erfahrung, wobei sie die Freuden des Clublebens ebenso einbezieht wie die dunkleren Momente des Daseins. Im Laufe ihrer dreißigjährigen Karriere hat Sharon Eyal ein umfangreiches Werk geschaffen, das sich wie ein großes Mosaik beschreiben lässt: Stein für Stein nehmen darin die Komplexität und Tiefe des menschlichen Lebens Gestalt an und erinnern uns daran, dass der Körper Träger von Wahrheiten und Gefühlen zugleich ist. «Das Leben inspiriert mich», sagt die Choreografin und betont zugleich, dass das Kunstschaffen umgekehrt eben auch «eine Inspiration für mein Leben» sei: «Seit ich ...
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Tanz Jahrbuch 2026
Rubrik: The winners are..., Seite 118
von Maria Luisa Buzzi
Zwei Stunden komplett aus der Welt herausfallen? Kriege, Krisen und Konflikte wegblenden, abschalten, ausknipsen? Mit 70000 Fans im Berliner Olympiastadion abwechselnd auf einen Bühnenwinzling und zwei Riesenscreens starren, während die Füße wehrlos mittanzen – geht das? Ist das erlaubt, legitim und vertretbar angesichts einer Gegenwart, die ziemlich ungebremst auf...
Extrem lebendig und weithin praktiziert, dabei strukturell instabil und kaum als Arbeit anerkannt: In Buenos Aires führt der Tanz schon seit Langem ein widersprüchliches Dasein. Ohne ein nationales Tanzgesetz, das grundlegende Arbeitsrechte garantieren könnte, bleiben die Arbeitsbedingungen äußerst prekär. Und doch: Noch immer kommen wir in Studios, Kulturzentren,...
Dass Körper nie nur Eines sind, ist nicht nur ein Erfahrungswert, sondern auch ein kulturtheoretischer Topos. Es gibt den ausschließlich tanzenden oder politischen, den ganz und gar sozialen oder den nur natürlichen Körper nicht, weder in der Theorie noch in der Lebenswelt. Spätestens seit Beginn des 20. Jahrhunderts setzt sich das Denken explizit mit der Tatsache...
