Adieu Avantgarde
«Avantgarde» und «Komplizen» – zwei Begriffe, die aus dem Feld der Macht, der Ausübung aktiver Gewalt herrühren: «Avantgarde» meint ursprünglich die Speerspitze (im Sinne von Vorhut im Militär); «Komplizen» sind Mittäter, der Terminus entstammt der juristischen Sphäre. Die Kunst hat diese Begriffe in ästhetische und soziale Kontexte umbesetzt und neu kontextualisiert. Ein Merkmal künstlerischer Avantgarden ist der Bruch mit der Tradition.
Im Avantgarde-Diskurs und in der Praxis zeigt sich eine aggressive Absage an alles, was bislang «state of the art» war: ein «Nein!» zu ästhetischen Konzepten und künstlerischen Verfahren ebenso wie zu institutionellen, gesellschaftlichen, materiellen und ökonomischen Voraussetzungen der bis dato vorherrschenden Kunst. Das Motto: Verkrustungen aufbrechen!
Mittäterschaft
Die Kulturwissenschaftlerin Gesa Ziemer hat den Begriff und den damit verbundenen Gedanken eines gemeinsamen Handelns (im Sinne der Mittäterschaft) positiv umgedeutet und in die Performance-Theorie eingebracht. Bei diesem Modell von «Komplizenschaft» geht es nicht um den Einsatz krimineller Energie, sondern um produktive Formen der Zusammenarbeit, um kollaborative Kreativität und ...
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Tanz Jahrbuch 2026
Rubrik: Komplizen, Seite 12
von Gabriele Brandstetter
Die Namensliste dieser neuen Compagnie liest sich wie ein Who’s who der Ballettstars: Sie alle waren oder sind Erste Solisten, Ikonen ihres Landes, Musen eines Choreografen, international bewundert. Und alle sind über 40 Jahre, zum Teil weit älter. WINNDance – das Akronym steht für «When If Not Now» – wurde im Frühjahr 2026 von Marijn Rademaker und Slava Tutukin...
Extrem lebendig und weithin praktiziert, dabei strukturell instabil und kaum als Arbeit anerkannt: In Buenos Aires führt der Tanz schon seit Langem ein widersprüchliches Dasein. Ohne ein nationales Tanzgesetz, das grundlegende Arbeitsrechte garantieren könnte, bleiben die Arbeitsbedingungen äußerst prekär. Und doch: Noch immer kommen wir in Studios, Kulturzentren,...
Eine Tendenz, die sich seit Jahren fortsetzt: Die herausstechende Einzelleistung, die sich prämieren lässt, bildet sich in den Umfragen seltener ab. Was einerseits daran liegt, dass Tanzkritiker*innen in Zeiten schmalerer Budgets weniger on tour sind, ihre Eindrücke eher im Regionalen gewinnen oder aus Festivalprogrammen mitnehmen. Zugleich ist unsere Erhebung eben...
