Chemnitz: Robert Bondara «Winterreise»

Gutes Zeichen, wenn nach dem letzten Ton nicht sofort dröhnender Applaus in die Stille donnert. So geschehen bei der Chemnitzer Uraufführung des Tanzstückes «Winterreise» von Robert Bondara zum Lieder-Zyklus von Franz Schubert. Schon wenn im zunächst leeren Bühnenraum von Hans Winkler bedrohliche Wände aus Eis herunterfahren und sich die Pianistin Anna Beinhauer an den Flügel in einer grabesähnlichen Aushebung begibt, zieht eine Intensität auf, der man sich nicht entwinden kann.

Von mehreren Tänzern gespiegelt und zuerst von ihnen nicht zu unterscheiden, beginnt der Bariton Andreas Beinhauer als fremder Wanderer seine Reise durch diese eisige Chemnitzer Landschaft. Für jedes der 24 Lieder mit Texten von Wilhelm Müller findet er individuelle Facetten der Gestaltung. 

Der polnische Choreograf Robert Bondara gibt mit dieser «Winterreise» sein Deutschland-Debüt. Er vermag klassische und zeitgenössische Tanzsprache in spannende Dialoge zu setzen, was gut zum Konzept von Ballettdirektorin Sabrina Sadowska passt und den Chemnitzer Tänzern hervorragend gelingt. So ist die Verschmelzung der Stile das Leitmotiv der choreografischen Annäherung an dieses Schlüsselwerk romantischer Liedkunst. ...

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Tanz Oktober 2019
Rubrik: Kritik, Seite 46
von Boris Gruhl