Chandralekha: "Sharira - Fire/Desire"
Die bedeutende indische Choreografin Chandralekha starb in den letzten Tagen des Jahrs 2006. Aber ihr Werk überlebt, was nicht ganz selbstverständlich ist angesichts der zwiespältigen Reaktionen in Indien, mit denen die Choreografin zeitlebens zu kämpfen hatte.
Ihre in Madras ansässige Chandralekha Dance Group bringt jetzt erstmals das letzte Stück der Choreografin nach Europa: gut sechs Jahre nach der Uraufführung, im Frühjahr 2001 bei einem vom Goethe-Institut veranstalteten Symposion in Mumbai – und mit neuer Besetzung; anstelle der grandiosen Padmini Chettur, die sich schon vor Chandralekhas Tod mit eigenen Arbeiten selbstständig machte, tanzt nun die junge Tishandi Doshi.
«Sharira – Fire/Desire» ist ein gut einstündiges Zwei-Personen-Stück, das vor Erotik vibriert, obwohl sich die beiden Tänzer – Frau und Mann – nicht einmal berühren und die Bewegung über weite Strecken wie in Zeitlupe verläuft. Zu einer ekstatischen Musik im «Dhrupad»-Stil der Gundecha-Brüder Umakant und Ramakant intoniert «Sharira» das Hohelied einer Sexualität, deren brennendes Verlangen durch perfekte geistige Kontrolle gebremst wird: ein Musterbeispiel für Sigmund Freuds These, wonach Kultur durch ...
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