CD, DVD, Buch 3/20
CD des Monats: Ascanio
Den «Ascanio» legte er in seiner Uraufführungskritik als «einen hochgestochenen und kostspieligen Firlefanz» gleich ad acta – nicht ohne jenen Besuchern seine Anerkennung auszusprechen, die nur des Balletts wegen erschienen waren. Denn das konnte nach Meinung von Corno di Bassetto alias George Bernard Shaw, «obwohl es in hohem Maße künstlich – will sagen: klassisch – war, auf seine Art durchaus gefallen».
Jun Märkl hat denn auch gar nicht erst versucht, die Cellini-Oper von Camille Saint-Saëns zu reanimieren, sondern sich von vornherein auf das große Divertissement konzentriert, das 1890 den dritten Akt eröffnet hat: eine Renaissance-Reminiszenz, die immer wieder überraschende Reize offenbart. Kundig lässt hier der Komponist Musik des Ancien Régime hören, und in einem seiner schönsten Sätze zitiert Saint-Saëns sogar ein paar Takte aus dem 1588 erschienenen Tanz-Traktat «Orchésographie» von Thoinot Arbeau, ohne deswegen seine Eigenart aufzugeben. Phoebus Apollo setzt vielmehr so sacht seine Ballettschritte, als wollte er kaum den Boden berühren: eine Herausforderung für das Malmö SymfoniOrkester, unter Märkls Leitung ihren Widerhall dennoch hörbar zu machen.
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Tanz März 2020
Rubrik: Medien, Seite 54
von
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